ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014Biografie: Ein Denkmal für Max Hirsch

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Biografie: Ein Denkmal für Max Hirsch

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-899 / B-770 / C-730

Jütte, Robert

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Der Name der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (wörtlich: Denkmal und Namen) in Jerusalem greift das Prophetenwort auf: „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter.“ (Jes. 56,5). Die Biografie eines der bedeutendsten Rheumatologen und Balneologen des 20. Jahrhunderts tut genau dies: Sie setzt dem von den Nationalsozialisten ins Exil getriebenen und in Riga ermordeten jüdischen Arzt Max Hirsch (1875–1941) ein Denkmal, reißt seinen Namen aus der Vergessenheit. Bis vor kurzem war nicht einmal sein Todesjahr bekannt.

Mehr Licht in das biografische Dunkel gebracht zu haben, ist das Verdienst von Prof. Dr. med. Manfred Keitel, ein anerkannter Rheumatologe, der sich zusammen mit dem Urenkel von Max Hirsch, dem schwedischen Journalisten Leif Olsson, auf die schwierige Spurensuche begeben hat. Herausgekommen ist ein lesenswertes Buch, das einem noch einmal deutlich vor Augen führt, welcher Verlust der einstmals weltweit angesehenen deutschen Medizin entstanden ist, als jüdische und politische unliebsame Ärztinnen und Ärzte nach 1933 ihrer Ämter enthoben und schließlich auch ihrer Berufsgrundlage beraubt wurden.

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Dieses schreckliche Schicksal, das lange Zeit verdrängt wurde, traf auch Max Hirsch. Er war unter anderem Herausgeber und Redakteur der Zeitschrift für wissenschaftliche Bäderkunde und Generalsekretär der Balneologischen Gesellschaft. Große Verdienste erwarb er sich zudem um die Begründung einer deutschen Gesellschaft für Rheumabekämpfung sowie als Mitherausgeber des Rheuma-Jahrbuchs. Seine steile wissenschaftliche Karriere fand mit der Machtergreifung ein jähes Ende. Stationen seines Exils waren die Schweiz, Moskau, Leningrad und schließlich Riga, wo er offenkundig dem Massenmord an den dortigen Juden zum Opfer fiel. Robert Jütte

Wolfgang Keitel, Leif Olsson: Max Hirsch, Rheumatologe und Badearzt. Ein jüdisches Schicksal. Verlag Janos Stekovics, Wettin-Löbejün 2013, 160 Seiten, gebunden, 12,80 Euro

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