ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014SMS-Erinnerung: Bessere Koloskopievorbereitung

TECHNIK

SMS-Erinnerung: Bessere Koloskopievorbereitung

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-906 / B-776 / C-736

Walter, Benjamin M.

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Die Qualität der Darmspiegelung hängt wesentlich von einer optimalen Darmvorbereitung ab. Ein Projekt untersucht, ob die Unterstützung der Patienten durch Kurznachrichten dabei hilfreich ist.

Die ambulante Koloskopie zur Karzinomfrüherkennung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Unten: Beispiel für eine SMSErinnerung. Fotos: SmartPatient, München
Die ambulante Koloskopie zur Karzinomfrüherkennung ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Unten: Beispiel für eine SMSErinnerung. Fotos: SmartPatient, München

Das Kolonkarzinom ist aktuell die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Durch rechtzeitige Entfernung der ursächlichen Polypen auf der Dickdarmschleimhaut kann die Entstehung des Karzinoms vermieden werden. Seit 2002 ist die ambulante Koloskopie zur Karzinomfrüherkennung auch im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen für alle Versicherten als empfohlene Vorsorgeuntersuchung fest verankert. Leider ist die Teilnahmerate bei den Versicherten noch sehr gering. Vor allem die Vorbereitung auf eine Dickdarmspiegelung wird von vielen Patienten als Belastung empfunden: Probleme und Unsicherheiten bei der Auswahl der richtigen Lebensmittel in den Tagen vor der Untersuchung und der Einnahme der Abführmittel werden berichtet.

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Signifikanter Anteil unzureichender Ergebnisse

Eine optimale Darmvorbereitung zur Koloskopie ist jedoch einer der wichtigsten Faktoren, der die Qualität der Darmspiegelung beeinflusst. Eine hohe Restverschmutzung des Dickdarmes verringert die Zahl der gefundenen Adenome und Polypen, verlängert die Zeit der Untersuchung und erhöht zudem die Kosten, die durch notwendige Zweituntersuchungen entstehen. Eine dann notwendige Wiederholung der unangenehmen Koloskopievorbereitung verringert die Patientencompliance und Bereitschaft zur Dickdarmkrebsvorsorge weiter.

Trotz einer guten Aufklärung über den Ablauf und die Relevanz der Koloskopievorbereitung und verbesserten Abführmitteln und Einnahmeprotokollen besteht auch weiterhin ein signifikanter Anteil an unzureichenden Koloskopievorbereitungsergebnissen.

In der II. Medizinischen Klinik (Gastroenterologie; Direktor Prof. Dr. med. Roland M. Schmid) des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München hat zur Vermeidung dieser Problematik das PERICLES-Projekt („prospective studies for improvement of colonscopy preparation by optimized visualisation“) begonnen. Ziel ist es, durch eine intensive Begleitung des Patienten während der Phase vor der Darmspiegelung mittels Erinnerungen an die wichtigsten Schritte eine optimale Patientenbetreuung zu erreichen. Durch eine einfache Anleitung und Informationen zum richtigen Zeitpunkt per Mobiltelefon werden die Patienten bei der korrekten Durchführung der Vorbereitung unterstützt.

An die Situation angepasste Informationen

So wurden bereits Patientenbroschüren erarbeitet, die den Ablauf der Darmspiegelung und die wichtigsten Empfehlungen zur Ernährung und zu Verhaltensmaßnahmen enthalten. Vor allem wurde jedoch in Kooperation mit der auf Adhärenzsteigerung spezialisierten E-Health-Firma SmartPatient, München (www.smartpatient.de), ein System zum SMS-Versand mit den relevanten Inhalten der Koloskopievorbereitung entwickelt. Unsere Erfahrung zeigt nämlich, dass sich das Medium Mobiltelefon immer mehr durchsetzt und mittlerweile auch in den Altersgruppen, die wir für eine Vorsorgekoloskopie ansprechen möchten, weit verbreitet ist. Dieser Entwicklung möchten wir Rechnung tragen, indem wir sie aktiv für eine höhere Akzeptanz der Darmkrebsvorsorge nutzen.

Relevante Informationen zur Ernährung und zum optimalen Ablauf der Vorbereitungsmaßnahmen werden in Form von zeitlich auf den vereinbarten Koloskopietermin abgestimmten Kurznachrichten direkt auf das Handy des Patienten versandt.

Nach erfolgreich abgeschlossener Machbarkeitsstudie wird das SMS-System derzeit im Klinikum rechts der Isar getestet und soll in Kürze für alle Patienten mit ambulanter Koloskopie angeboten werden.

Dr. med. Benjamin M. Walter

II. Medizinische Klinik und Poliklinik
Gastroenterologie, MRI der TU München
Benjamin.Walter@lrz.tum.de

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