ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2014Randnotiz: Wissenschaft ist Popkultur

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Randnotiz: Wissenschaft ist Popkultur

Dtsch Arztebl 2014; 111(20): A-865 / B-741 / C-705

Protschka, Johanna

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Bei einem Science-Slam treten Jungwissenschaftler gegeneinander um die Gunst des Publikums für das eigene Forschungsthema an. Es wird gewitzelt, gezeichnet, wild gestikuliert und natürlich auch: erklärt. Wissenschaft light könnte man das nennen. Erklär mir dein Thema unterhaltsam bei einem Bier, dann bekommst du auch die volle Punktzahl.

Die Medizinstudentin Giulia Enders, die am Institut für Mikrobiologie und Krankenhaushygiene in Frankfurt an ihrer Doktorarbeit schreibt, hat auf Basis ihres Science-Slam-Vortrags nun sogar ein Buch verfasst und wird gerade fleißig durch Fernseh-Talkshows gejagt. In „Darm mit Charme“ erklärt sie unter anderem die Bedeutsamkeit von Darmkeimen für die körperliche Gesundheit. Ungeniert und in lockerem Ton erläutert sie, wie „kacken“ geht, und versucht jegliche Vorbehalte gegen das Aufgabengebiet des Darmes abzubauen. Es gebe in wissenschaftlicher Hinsicht noch so viel über dieses Organ zu erforschen, so die junge Frau. Und: Sobald das Wort „pupsen“ auftaucht, sind ihr die Lacher sicher.

Völlig unpassend möchte manch einer meinen: Wissenschaft dient nicht der Unterhaltung und sollte sich erst gar nicht auf diese populärwissenschaftliche Ebene begeben. Man stelle sich vor, im Leitfaden zu einem Forschungsantrag stünde: Fassen Sie Ihren Forschungsgegenstand in Reimen zusammen und rappen sie ihn der Kommission vor. Dazu konzipieren Sie Karikaturen, anhand derer sie auf anschauliche Weise vermitteln, warum dieses Forschungsvorhaben finanzielle Mittel verdient. DSDSF – Deutschland sucht den Super-Forscher. Wer würde da nicht gerne einschalten?

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