ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2014Multiples Myelom: Stringente komplette Remission sollte das Ziel sein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiples Myelom: Stringente komplette Remission sollte das Ziel sein

Dtsch Arztebl 2014; 111(21): A-945 / B-807 / C-766

Gulden, Josef

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Das multiple Myelom ist im Regelfall nicht heilbar, aber ein gewisser Anteil der Patienten überlebt langfristig. Bei der Frage, ob die Qualität der Remission, die man bei jüngeren Patienten mit Hilfe der autologen Stammzelltransplantation erzielt, für das Überleben von Bedeutung ist, wurde bisher vor allem die herkömmliche Komplettremission (CR) betont: Dabei dürfen neben dem Verschwinden von Plasmozytomen in Weichteilen weniger als 5 % Plasmazellen im Knochenmark und kein M-Protein in der Immunfixation mehr nachweisbar sein.

Die Myelom-Arbeitsgruppe an der Mayo Clinic in Rochester untersuchte nun prospektiv den Einfluss verschiedener Kategorien von guten Remissionen auf die Langzeitergebnisse von 445 Patienten, die zwischen 2002 und 2008 eine einfache oder eine Tandem-Transplantation erhalten hatten. Unterschieden wurden neben der konventionellen CR eine stringente CR (sCR), bei der auch die Konzentrationen der freien κ- und λ-Leichtketten der Immunglobuline normalisiert sein mussten, sowie eine nahezu komplette Remission (nCR), bei der das M-Protein nur in der Elektrophorese, nicht aber in der Immunfixation unter der Nachweisgrenze sein musste.

Das Ergebnis war bemerkenswert: Patienten mit sCR hatten nicht nur eine mehr als doppelt so lange mediane Zeit bis zur Progression wie diejenigen mit konventioneller CR (50 vs. 20 Monate) bzw. nCR (19 Monate), sondern bei ihnen war auch der Medianwert ihrer Gesamtüberlebenszeit noch gar nicht erreicht, während er nach CR bei 81 und nach nCR bei 60 Monaten lag (p < 0,001). Fünf Jahre nach Transplantation waren 80 % der Patienten mit sCR, aber nur noch 53 % derer mit CR und 47 % derer mit nCR am Leben. In einer multivariaten Analyse war die sCR neben der Proliferationsrate, Zytogenetik und Performancestatus ein unabhängiger Prognosefaktor für das Überleben mit einer Hazard Ratio gegenüber der konventionellen CR von 0,44. Das entspricht einer Reduktion des Mortalitätsrisikos um 56 % (95-%-Konfidenzintervall 0,25–0,80; p = 0,008).

Gesamtüberleben von Myelom-Patienten mit verschiedenen Kategorien einer kompletten Remission
Gesamtüberleben von Myelom-Patienten mit verschiedenen Kategorien einer kompletten Remission
Grafik
Gesamtüberleben von Myelom-Patienten mit verschiedenen Kategorien einer kompletten Remission

Fazit: Eine stringente komplette Remission ist ein erreichbares Ziel zumindest für jüngere Patienten mit multiplem Myelom und ein Surrogat-Endpunkt für längeres Überleben. Die Techniken, mit denen sich die sCR nachweisen lässt, sind für das Myelom etabliert, anders als die Methoden zum Nachweis einer minimalen Resterkrankung bei anderen hämatologischen Tumoren. In künftigen Studien sollte, so meinen die Autoren, die sCR als Kategorie des Ansprechens verwendet werden. Konsolidierungs- und Erhaltungstherapien nach der Transplantation, wie sie immer häufiger angewandt werden, können möglicherweise den Anteil an Patienten mit sCR erhöhen. Josef Gulden

Kapoor P, et al.: Importance of achieving stringent complete response after autologous stem-cell transplantation in multiple myeloma. J Clin Oncol 2013; 31: 4529–35. MEDLINE

Gesamtüberleben von Myelom-Patienten mit verschiedenen Kategorien einer kompletten Remission
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Gesamtüberleben von Myelom-Patienten mit verschiedenen Kategorien einer kompletten Remission

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