ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2014Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung: Die Selbstverwaltung funktioniert

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Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung: Die Selbstverwaltung funktioniert

Dtsch Arztebl 2014; 111(21): A-911 / B-779 / C-739

Osterloh, Falk

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Einen neuen Sektor zu gründen, ist kein Spaziergang – erst recht nicht, wenn man um die Beständigkeit der Grenze weiß, die den ambulanten Sektor bislang vom stationären trennt. Zahlreiche Anläufe wurden bereits unternommen, den Übergang von einem in den anderen Bereich für die Patienten einfacher zu gestalten. Richtig erfolgreich war keiner von ihnen. Mit der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) soll nun alles besser werden. Für bestimmte Indikationen sollen die Grenzen eingerissen werden, damit Ärzte einfach Ärzte sein können, ganz ohne Herkunftsstempel. Wer kann, der darf, ist das Motto.

Falk Osterloh, Politischer Redakteur in Berlin
Falk Osterloh, Politischer Redakteur in Berlin

Was einfach klingt, ist tatsächlich ausgesprochen kompliziert. Niemanden, der sich im deutschen Gesundheitssystem auskennt, hat das allerdings verwundert. Niemanden verwundert hat ebenfalls, dass sich der Gesetzgeber im GKV-Versorgungsstrukturgesetz mit seinen Vorgaben zur ASV zurückgehalten und die Hauptlast der Arbeit der Selbstverwaltung überlassen hat. „Das Nähere regelt der Gemeinsame Bundes­aus­schuss“, heißt es mehr als einmal im § 116 b Sozialgesetzbuch V. Und der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA), häufig gescholten für gemächlich scheinende Entscheidungsprozesse, hat geregelt. Bis heute hat er sowohl grundsätzliche Bestimmungen zur ASV vorgelegt als auch konkrete Ausgestaltungen für die Indikationen Tuberkulose, Mykobakteriose, gastrointestinale Tumoren und Tumoren der Bauchhöhle.

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Darin enthalten sind Vorgaben darüber, welche Patienten im Rahmen der ASV behandelt werden können, welche Ärzte zu dem interdisziplinär besetzten ASV-Team gehören müssen und welche Leistungen im Rahmen der ASV erbracht werden können – bis in die einzelnen Gebührenordnungspositionen des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs hinein. Als passender Terminus ist dafür der Begriff „Mammutaufgabe“ nicht zu hoch gegriffen. Interessierte Ärzte können übrigens in der Broschüre „PraxisWissen ASV“ der Kassenärztlichen Bundesvereinigung nachlesen, worauf sich der G-BA bislang verständigt hat (www.aerzteblatt.de/14911).

Die Mammutaufgabe ist allerdings noch nicht beendet, wie bei einem Symposium der „RS Medical Consult“ am 13. Mai in Berlin deutlich wurde. So ist der gesamte Bereich der Vergütung weitgehend ungeklärt. Die Partner der Selbstverwaltung müssen sich noch auf eine während einer Übergangszeit geltende Honorierung der ASV-Leistungen verständigen sowie auf eine eigene Systematik für deren mittelfristige Vergütung. Unklar ist zudem, ob die zuständigen erweiterten Landesausschüsse jede Zulassung im einzelnen prüfen sollen oder nur dann, wenn sie Zweifel an der Korrektheit des Antrags haben. „Die Frage der Überprüfung der Qualitätsvoraussetzungen ist offen“, kommentierte das unparteiische Mitglied im G-BA, Dr. med. Regina Klakow-Franck, auf dem Symposium. „Das ist vom Gesetzgeber völlig ungeregelt geblieben.“

Einen neuen Sektor zu gründen, ist kein Spaziergang. In relativ kurzer Zeit ist es der Selbstverwaltung dennoch gelungen, Antworten auf viele schwierige Fragen zu finden. Wenn alle Beteiligten mit derselben Motivation, Energie und Geduld weiterarbeiten – und damit ist zu rechnen –, werden sie die noch ausstehenden Probleme ebenfalls lösen können. Auch wenn heute noch offen ist, ob die ASV tatsächlich die Patientenversorgung entscheidend verbessern kann – für die Selbstverwaltung ist sie bis heute eine Erfolgsgeschichte.

Falk Osterloh
Politischer Redakteur in Berlin

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Avatar #672734
isnydoc
am Samstag, 24. Mai 2014, 13:32

Selbstverwaltung über alles, über alles in Deutschland

aber wohl noch nicht in der Welt ... wo der "Rückgang" der Honorare zu einem "gebremsten Anstieg" sprachlich veredelt wird.
Das "Wörterbuch der Selbstverwaltung" sollte man vielleicht demnächst herausgeben. Gewisse Ähnlichkeiten zu V. Klemperer:
"LTI – Notizbuch eines Philologen" - 1947 erschienen, wären vermutlich marginal.
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