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Randnotiz: Hände weg!

Dtsch Arztebl 2014; 111(21): A-915 / B-783 / C-743

Flintrop, Jens

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Um die Verbreitung gefährlicher Keime einzudämmen, gilt in den Augusta-Kliniken in Bochum und Hattingen neuerdings ein striktes Händeschüttelverbot für das Klinikpersonal. Auch die Ärztinnen und Ärzte wurden per Dienstanweisung verpflichtet, das Händeschütteln künftig zu unterlassen. 80 Prozent der Keime verbreiteten sich über die Hände, rechtfertigte Geschäftsführer Ulrich Froese gegenüber der Nachrichtenagentur dpa die ungewöhnliche Maßnahme. Da sei der Verzicht auf das Händegeben doch ein einfacher Hebel, die Hygiene in den Einrichtungen zu verbessern.

So sinnvoll das Händeschüttelverbot aus hygienischer Sicht auch ist, so geht doch zugleich ein weiteres Stück Menschlichkeit im Klinikalltag verloren. Die bewusste Begrüßung per Handschlag und der damit verbundene Blick in die Augen als Signal des Arztes an den Patienten: „Die nächsten Minuten bin ich nur für dich da und widme mich nur deinen Beschwerden.“ Schnee von gestern. Das fürsorgend tröstende Handhalten in für den Patienten besonders kritischen Situationen mit der Botschaft: „Ich fühle mit dir, alles wird gut.“ Per Dienstanweisung verboten.

Unverantwortliches Geschreibsel eines romantischen Redakteurs? Ja, vielleicht. Aber im Krankenzimmer dürfte dem unbedarften Patienten die Hand des behandelnden Arztes in der Regel näher sein als der multiresistente Keim oder das mehrfachresistente Darmbakterium. Oder etwa doch nicht? Ernsthaft: Jede Maßnahme, die die Hygiene verbessert, muss in Betracht gezogen werden. Auch wenn dies wie hier nicht Hand in Hand geht mit dem Bedürfnis des Patienten nach menschlicher Zuwendung.

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