ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2014Nachwuchskampagne: „Ambulant“ hat Vorteile

POLITIK

Nachwuchskampagne: „Ambulant“ hat Vorteile

Dtsch Arztebl 2014; 111(21): A-922 / B-790 / C-753

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Neben der Imagekampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“ sprechen die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Kassenärztlichen Vereinigungen jetzt mit einer neuen Aktion gezielt auch Medizinstudierende an.

„Als niedergelassene Allgemeinärztin habe ich all diese Möglichkeiten, gute Berufsperspektiven und flache Hierarchien.“ Anna Kapis, Medizinstudierende
„Als niedergelassene Allgemeinärztin habe ich all diese Möglichkeiten, gute Berufsperspektiven und flache Hierarchien.“ Anna Kapis, Medizinstudierende

Während ihrer Schulzeit konnte sich Anna Kapis nicht vorstellen, Medizin zu studieren – wegen des Klischees, dass aus Arztkindern immer Ärzte werden, sagt sie. Also belegte sie Medien- und Kommunikationswissenschaft, arbeitete aber parallel in der Pflege. „Die Medizin hat mich einfach nicht losgelassen“, erklärt die junge Frau, die mittlerweile im 5. Semester im Berliner Modellstudiengang Medizin studiert, dem Deutschen Ärzteblatt.

Anzeige

Kapis’ Traum: Sie will Hausärztin werden, wie ihre Mutter. Sie will eine eigene Praxis haben, die Räume, in denen sie arbeitet, selbst gestalten und ihre Patienten nicht nur für einige Tage, sondern über einen längeren Zeitraum betreuen. „Als niedergelassene Allgemeinärztin habe ich all diese Möglichkeiten, gute Berufsperspektiven und flache Hier- archien“, resümiert sie. Mit Überzeugung macht sie deshalb auch mit beim Fotoshooting für die neue Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) „Lass dich nieder!.

Kapis gehört zu den Medizinstudierenden, die ab 16. Mai und in einer zweiten Welle ab Herbst der Kampagne „Lass dich nieder!“ auf Großflächenplakaten, Litfaßsäulen und Flyern ein Gesicht geben. Verbunden sind die Fotos der Studierenden mit einer Aussage, die jeweils zu ihnen passt. Unter dem Slogan: „Morgens Doktor, abends Spiele“ weist beispielsweise Kapis auf die guten Möglichkeiten im ambulanten Bereich hin, Beruf und Kinderbetreuung zu vereinbaren.

Zu sehen sein werden die Motive mit den Medizinstudierenden vor allem rund um die 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland. Denn das Ziel der KBV und der KVen ist es, anknüpfend an die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“, jetzt den Nachwuchs anzusprechen und für die Arbeit in der Niederlassung zu begeistern. Damit wollen die Körperschaften dem Mangel an niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, insbesondere bei den Haus-, Augen- und den Frauenärzten, entgegenwirken.

Dass es notwendig ist, Medizinstudierende auf die Arbeit in der Praxis aufmerksam zu machen, findet auch Felix Schmidt, Medizinstudent im zwölften Semester in Berlin. An der Nachwuchskampagne nimmt er gern teil, denn sie packt für ihn das Problem an der Wurzel: „Man muss sich erstmal mit der Option Niederlassung beschäftigen“, sagt er. „Zu Beginn des Studiums kam für mich eine Niederlassung auch nicht infrage.“ Das änderte sich jedoch durch eine Famulatur: „Da hat es mich total gepackt und nicht mehr losgelassen.“

Mittlerweile kann sich Schmidt sehr gut mit den niedergelassenen Ärzten identifizieren. Bereits seit zwei Jahren arbeitet er in einer internistischen Schwerpunktpraxis für Suchtkranke und HIV in Berlin-Kreuzberg und ist fasziniert, wie sein Mentor, Dr. med. Hubert Schulbin, es schafft, seinen Patienten so viel Wärme und Kompetenz entgegenzubringen. „Ich will so arbeiten wie er“, sagt Schmidt.

Studierende und junge Ärzte in diesem Wunsch bestärken, will auch das Portal www.lass-dich-nieder.de. Dort finden Nachwuchsärzte Anregungen, Praxisbeispiele und Tipps für den eigenen Weg in die Niederlassung sowie geeignete Ansprechpartner. Die Website informiert aber auch über das deutsche Gesundheitssystem und weitergehende Beratungsangebote der KBV und der KVen und soll als bundesweit erste Anlaufstelle für Nachwuchsmediziner mit Fragen zur Niederlassung kontinuierlich ausgebaut werden. Unterhaltsame Formate wie ein Quiz, Videos und Infografiken runden das Angebot ab.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #539999
klausenwächter
am Sonntag, 25. Mai 2014, 13:05

Landarztstipendien - Bücherkisten - WAHLRECHT statt Werbekleister

Die Kampagne mag Absolventen eines Marketingstudiums durch die Werbeeinnahmen fördern. Studenten der Medizin wäre mit "Landarztstipendien", "allgemeinmedizinischen Bücherkisten" und einem WAHLRECHT für die Ärztekammern mehr gedient.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema