ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Auf Familienanamnese achten
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Die Autoren weisen darauf hin, dass das Erkrankungsrisiko von jungen Frauen nach Therapie eines Hodgkin-Lymphoms im Kindes- und Jungendalter bis zum Alter von 50 Jahren dem hohen Risiko bei einer erblichen Prädisposition aufgrund von Mutationen in den Hochrisikogenen BRCA1/2 entspricht. Wir haben eine 36-jährige Patientin genetisch beraten, die nach einem Hodgkin-Lymphom und Strahlentherapie im Alter von 17 Jahren bilateralen Brustkrebs mit 26 und 35 Jahren entwickelte. In ihrer Familienanamnese fielen gehäufte Krebserkrankungen, unter anderem Brustkrebs und Prostatakrebs, auf. Die Patientin wünschte eine genetische Untersuchung. Es wurde die pathogene Mutation c.767_768delCA;p.Thr256LysfsTer19 im Tumorsuppressor-Gen BRCA1/2 nachgewiesen. In der bis heute zur Verfügung stehenden Fachliteratur gibt es keinen Hinweis darauf, dass bei Frauen mit Brustkrebserkrankung nach Hodgkin-Lymphom gehäuft Mutationen in den Genen BRCA1/2 oder in anderen Risikogenen vorliegen. Es sind einzelne Fallbeispiele bekannt (2), ohne dass Ergebnisse prospektiver klinischer Studien zur Verfügung stehen. Somit ist unklar, inwieweit diese oder andere genetische Faktoren das Risiko für Strahlen-induzierten Brustkrebs nach Hodgkin-Lymphom beeinflussen. Für unsere Patientin impliziert das Wissen, dass sie eine BRCA1/2-Mutation trägt, ein erhöhtes Risiko auch für andere BRCA1/2-Gen-assoziierte Krebserkrankungen, insbesondere für Eierstockkrebs. Nach der S3-Leitlinie sollte ihr eine prophylaktische Entfernung der Eierstöcke und Eileiter (Salpingo-Oophorektomie) mit circa 40 Jahren nach erfülltem Kinderwunsch empfohlen werden. Dieser Eingriff reduziert das Erkrankungsrisiko für ein Ovarialkarzinom und ist mit einem verlängerten Gesamtüberleben assoziiert. Deshalb möchten wir ergänzend darauf hinweisen, wie wichtig es ist, auch bei Frauen mit Brustkrebs nach einer Strahlentherapie bei Hodgkin-Lymphom, auf die Familienanamnese zu achten.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0403b

Dr. med. Susanne Morlot

Dr. med. Bernd Auber

Dr. med. Ursula Hille-Betz

Dr. med. Stefanie Pertschy

PD Dr. rer. nat. Doris Steinemann

Prof. Dr. med. Brigitte Schlegelberger

Medizinische Hochschule Hannover

Zentrum Hannover

Deutsches Konsortium Erblicher Brust- und Eierstockkrebs

morlot.susanne@mh-hannover.de

1.
Schellong G, Riepenhausen M, Ehlert K, et al.: Breast cancer in young women after treatment for Hodgkin´s lymphoma during childhood or adolescence—an observational study with up to 33-year follow up. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(1–2): 3–9. VOLLTEXT
2.
Nichols KE, Heath JA, Friedman D, et al.: TP53, BRCA 1, and BRCA2 tumor suppressor genes are not commonly mutated in survivors of Hodgkin´s disease with second primary neoplasms. J Clin Oncol 2003; 21: 4505-9.
CrossRef MEDLINE
1.Schellong G, Riepenhausen M, Ehlert K, et al.: Breast cancer in young women after treatment for Hodgkin´s lymphoma during childhood or adolescence—an observational study with up to 33-year follow up. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(1–2): 3–9. VOLLTEXT
2.Nichols KE, Heath JA, Friedman D, et al.: TP53, BRCA 1, and BRCA2 tumor suppressor genes are not commonly mutated in survivors of Hodgkin´s disease with second primary neoplasms. J Clin Oncol 2003; 21: 4505-9.
CrossRef MEDLINE

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