ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Organtransplantation: Der Mensch ist keine Handelsware

BRIEFE

Organtransplantation: Der Mensch ist keine Handelsware

Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-1010 / B-864 / C-818

Zietz, Ralf

Die Weiterentwicklungen in der Transplantation verbessern die Versorgung (DÄ 14/2014: „Transplantationsmedizin: Mehr Sicherheit für Arzt und Patient“ von Gisela Klinkhammer und Nicola Siegmund-Schultze).
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

. . . Nicht das bestmögliche Ergebnis für den Organempfänger steht im Zweifel im Vordergrund, sondern der maximale Schutz des Lebendorganspenders. Die von uns immer wieder aufgezeigten Schäden, die durch die Organentnahme entstehen, rechtfertigen unumstößlich das Subsidiaritätsprinzip. Tatsächlich wird hiervon in der Praxis bereits abgewichen . . .

Vor dem Hintergrund der durch uns der Öffentlichkeit zugänglich gemachten tatsächlichen Schäden, die eine Organamputation am lebenden Körper verursacht, kann nur eine tragfähige innige Beziehung zwischen Empfänger und Spender auftretende Lebensqualitätsverluste des Spenders für diesen erträglich machen. Darüber hinaus gehen die bestehenden gesetzlichen Eingrenzungen des Personenkreises noch gar nicht weit genug. So ist es durch Studien bekannt, dass die Entnahme einer Niere bei jungen Menschen immer zu gesundheitlichen Einschränkungen (Fatiguetendenzen) führt (Giessing, Berlin 2004). Eine Organlebendspende kann daher nur bei Spendern infrage kommen, die circa 50 Jahre oder älter sind, sozial abgesichert und nicht körperlich oder geistig überdurchschnittlich gefordert sind (zum Beispiel führt ein Nierenfunktionsverlust auch schon in geringem Maße zum Verlust kognitiver Fähigkeiten). Ethisch zulässig kann eine Organlebendspende daher nur sein, wenn sie nach wirklich umfassender Risikoaufklärung zwischen älteren Lebenspartnern oder von Eltern für Kinder (nicht umgekehrt!) erfolgt. In Ausnahmefällen auch unter Geschwistern, bei denen zumindest der Spender die Alters- und Sozialkriterien erfüllt. Freundschaften, wie auch die künstlich klinikgeführt herbeigeführte Freundschaft von Paaren zum Zwecke der Durchführung einer gesetzlich nicht zugelassenen „Cross-Over-Spende“, reichen als Spendezulassungskriterium nicht aus . . .

Das TPG ist schon jetzt, trotz mancher Schwächen, gerade wegen seiner glasklaren Limitierungen, ein gutes Schutz-Gesetz. Es muss verteidigt werden vor dem Zugriff gieriger Interessenvertreter, die es nur zu eigenem Nutzen aufweichen wollen und dabei nicht scheuen, das grundgesetzlich verbriefte Recht auf körperliche Unversehrtheit aufzugeben. Der Mensch, auch als potenzieller Organlebendspender, ist aber keine Handelsware.

Anzeige

Ralf Zietz, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft
Nierenlebendspende e.V., 27321 Thedinghausen

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema