ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Randnotiz: Besser sinnlos als nichts?

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Randnotiz: Besser sinnlos als nichts?

Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-977 / B-833 / C-789

Korzilius, Heike

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Regierungen stehen unter enormem politischen Druck, wenn die eigene Bevölkerung gefährdet ist. Das gilt für eine Jahrhundertflut ebenso wie für eine drohende Influenza-Pandemie. Einschreiten, gegensteuern, handeln sind in solchen Fällen angesagt. Zögerlichkeit beschert eine schlechte Presse und wird vom Wähler bestraft. Das muss Regierungen weltweit – auch die deutsche – dazu bewogen haben, angesichts des Ausbruchs der Schweinegrippe 2009 zum Schutz der Bevölkerung in großem Stil die Neuraminidasehemmer Tamiflu und Relenza einzulagern. Dreistellige Millionenbeträge sollen allein in Deutschland in die schon damals umstrittene Aktion geflossen sein. Denn es gab Zweifel an der Wirksamkeit der Medikamente, nicht zuletzt deshalb, weil sich die Hersteller lange Zeit weigerten, sämtliche Studiendaten offenzulegen.

Inzwischen haben Wissenschaftler der unabhängigen Cochrane-Collaboration die vollständigen Zulassungsstudien ausgewertet. Das Ergebnis: Tamiflu und Relenza eignen sich nicht dazu, Grippe wirkungsvoll zu bekämpfen oder ihr vorzubeugen. Und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus? Auf eine Kleine Anfrage der Grünen erklärt sie zwar, dass der deutsche Pandemieplan bis Herbst aktualisiert werden soll. An den umstrittenen Grippemedikamenten will sie aber festhalten: Die Bundesregierung halte es aufgrund der Erfahrungen mit den drei schweren Influenzapandemien des letzten Jahrhunderts mit vielen Toten nicht für vertretbar, auf eine Vorsorge zum Schutz der Bevölkerung gänzlich zu verzichten, heißt es in der Antwort. Also besser etwas Sinnloses tun als gar nichts? Die Pharmaindustrie wird es freuen.

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