ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Gesund­heits­förder­ung: Ärzte unterstützen Special Olympics

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Gesund­heits­förder­ung: Ärzte unterstützen Special Olympics

Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-996 / B-851 / C-815

Protschka, Johanna

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Zum Sportfest für Menschen mit geistiger Behinderung gehört in Deutschland seit zehn Jahren das sogenannte Healthy-Athletes-Programm. Ohne ehrenamtlich mitwirkende Ärztinnen und Ärzte wäre es kaum realisierbar.

Ziel der Screenings ist es, den medizinischen Bedarf aufzudecken. Knapp ein Drittel der seit 2004 untersuchten Athleten zeigten therapiebedürftige Hörminderungen. Foto: SOD/Andreas Bister
Ziel der Screenings ist es, den medizinischen Bedarf aufzudecken. Knapp ein Drittel der seit 2004 untersuchten Athleten zeigten therapiebedürftige Hörminderungen. Foto: SOD/Andreas Bister

Das Gesundheitszelt der Special Olympics ist eröffnet. Vereinzelt sitzen die vornehmlich gut gelaunten Athleten an verschiedenen Beratungsstationen und sprechen mit dem medizinischen Personal. Die Athleten sind gekommen, um sich untersuchen zu lassen. Die anwesenden Ärzte präparieren die Geräte und legen los: „Oft findet man Watte oder Ähnliches, das den Gehörgang verstopft. Auch das Entfernen von Zerumen, Ohrenschmalz, ist oft notwendig“, sagt Dr. med. Alexander Indermark, niedergelassener Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und einer der ehrenamtlich tätigen Ärzte bei der Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung, die vom 19. bis 23. Mai in Düsseldorf stattfand. Wenn die Athleten mit geistiger Behinderung zu ihm kommen, werde zunächst eine Inspektion des Ohres und danach eine Druckmessung durchgeführt, erklärt Indermark, der Clinical Direktor und Koordinator des Bereichs „Besser Hören“ beim Healthy-Athletes-Programm ist. Wenn die Untersuchung beziehungsweise das Hörscreening auffällig sei, gebe man den Athleten die Empfehlung, einen Facharzt aufzusuchen. Das Ziel des Screenings sei es, den medizinischen Bedarf aufzudecken. „Ich sehe hier immer wieder Patienten, die aufgrund von chronischen Entzündungen im Innenohr eigentlich Schmerzen haben müssten, dies aber so nicht äußern. Ohne dieses Screening hier wären sie also gar nicht bei einem Arzt vorstellig geworden.“

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Das Portfolio der Beratung und Untersuchung bei den Special Olympics umfasst neben dem Hörscreening die Fußdiagnostik, Beratung zur gesunden Ernährung, Untersuchung des Sehvermögens sowie eine zahnärztliche Untersuchung und Anleitung zur Zahnpflege. Nach Angaben der Organisationsleitung wurden mit der Unterstützung von circa 2 000 Helfern, darunter viele Ärzte, im Rahmen des Healthy-Athletes-Programms seit 2004 mehr als 20 000 Screenings durchgeführt. Diese zeigten, dass im Bereich der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung noch Handlungsbedarf besteht. Auffällig war in der Vergangenheit, dass fast jeder dritte Teilnehmer des Gesundheitsprogramms eine Weiterbehandlung bei einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde benötigte.

Seit 2011 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen Special Olympics Deutschland und der Bundes­ärzte­kammer. Darüber hinaus unterstützte die Ärztekammer Nordrhein das Gesundheitsprogramm der Special Olympics in Düsseldorf. Als Vertreter der Ärzteschaft begrüßte der Präsident der Ärztekammer Nordrhein, Rudolf Henke, die Teilnehmer bei der Eröffnung des Gesundheitszeltes und richtete sich insbesondere an die ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzte. Dem Deutschen Ärzteblatt sagte er: „Einen großen Dank und eine Riesenanerkennung für das Engagement der teilnehmenden Ärzte. Sie leisten damit eine ganz wichtige Aufgabe für alle Ärzte in Deutschland, denn das rückt die Ärzteschaft näher an die Menschen mit Behinderung heran.“ Das Gesundheitsprogramm komme dem Ziel entgegen, der allgemeinen Prävention bei der medizinischen Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung künftig eine größere Rolle zuzuschreiben, so der Kammerpräsident.

Dr. Imke Kasche, Leiterin des Healthy-Athletes-Programms, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der Spiele, die mit insgesamt etwa 14 000 Teilnehmern ein Großereignis darstellen. Circa eine Million Euro koste die Veranstaltung, sagte Kaschke: „Das Gesundheitszelt alleine, ohne Innenausstattung, beläuft sich schon auf 30 000 Euro, die kostenfreien Geräteleihgaben der Industrie nicht eingerechnet.“ Sie wünsche sich, dass der Mehraufwand für die Behandlung von Menschen mit geistiger Behinderung künftig mehr berücksichtigt und finanziert werde. Es gehe vor allem um den Faktor Zeit.

Johanna Protschka

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