ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Stigmatisierung psychischer Erkrankungen: Kompetent, ehrlich und differenziert

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Stigmatisierung psychischer Erkrankungen: Kompetent, ehrlich und differenziert

Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-1013

Brieger, Peter

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„Psychische Krankheiten sind immer noch ein Tabu. Nach wie vor leiden Menschen mit psychischen Störungen unter Vorurteilen und Schuldzuweisungen, unter Diskriminierungen und Stigmatisierung.“ Asmus Finzen, Psychiater und Soziologe, hat das aktuelle Wissen zum Thema „Stigma psychische Krankheit“ gut lesbar und prägnant zusammengestellt. „Stigma“ ist Zuweisung von „Scham, Schuld, Schimpf und Schande“. Die Gesellschaft ängstigt sich um die Gefährlichkeit von Menschen mit psychischen und insbesondere schizophrenen Erkrankungen.

Das Buch diskutiert solche schwierigen Themen kompetent und differenziert. Medien und öffentliche Meinung sind dabei wichtiger denn je; die Darstellung psychisch kranker Menschen hat sich in den letzten Jahren in den Publikumsmedien nicht zum Positiven gewandelt: Anti-Stigma-Kampagnen der letzten Jahre waren nicht so erfolgreich wie erhofft, da sie „mit ihrer Promotion eines biologischen Krankheitsmodells für schwere psychische Krankheiten (,Psychische Krankheiten sind Gehirnkrankheiten’) potenziell eher schaden“. Finzen propagiert eine „Stigma-Arbeit von unten“. Stigma kann aber nur dann überwunden werden, wenn die „Behandlung der Grunderkrankung stimmig ist. [. . .] Eine bessere Psychiatrie sei im Hinblick auf den Abbau von Vorurteilen und Diskriminierungen wirksamer als Vorwürfe an die Gesellschaft, diese komme ihren Verpflichtungen gegenüber den psychisch Kranken nicht nach.“ Dem Buch ist ein breiter Leserkreis auch jenseits der Fachöffentlichkeit zu wünschen. Peter Brieger

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Asmus Finzen: Stigma psychischer Krankheit. Psychiatrie Verlag, Köln 2013, 183 Seiten, gebunden, 19,95 Euro

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