ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2014Otto Bach: „Architekt“ in der Wendezeit

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Otto Bach: „Architekt“ in der Wendezeit

Dtsch Arztebl 2014; 111(22): A-1020 / B-870 / C-823

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Prof. Dr. med. habil. Otto Bach (77) ist für die Entwicklung der Hochschulmedizin in Dresden einer der wichtigen Protagonisten. Zudem hat er die Schaffung der ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen vorangetrieben. Foto: slaek
Prof. Dr. med. habil. Otto Bach (77) ist für die Entwicklung der Hochschulmedizin in Dresden einer der wichtigen Protagonisten. Zudem hat er die Schaffung der ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen vorangetrieben. Foto: slaek

Prof. Dr. med. habil. Otto Bach (77) ist für die Entwicklung der Hochschulmedizin in Dresden einer der wichtigen Protagonisten. Zudem hat er die Schaffung der ärztlichen Selbstverwaltung in Sachsen vorangetrieben.

Wenn es nach politischen Umbrüchen gelingt, Stabilität zu schaffen, dann liegt das an Menschen wie Prof. Dr. med. habil. Otto Bach. Zu DDR-Zeiten war er einer der wenigen ordentlichen Professoren, die nicht parteigebunden waren. Nach der Wende engagierte er sich beim Aufbau demokratischer Hochschulstrukturen. An der Umgestaltung der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ in Dresden war er maßgeblich beteiligt und schaffte als deren Rektor die Voraussetzungen für die Gründung der Medizinischen Fakultät 1993. Darüber hinaus waren ihm der Aufbau der ärztlichen Selbstverwaltung und die Gründung der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer ein Anliegen.

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Otto Bach wurde am 21. Mai 1937 in Borsdorf bei Leipzig geboren. Nach der Abiturprüfung schrieb er sich an der dortigen Universität Leipzig für das Fach Humanmedizin ein. Nach der Approbation als Arzt 1961 begann er eine Weiterbildung an der Universitätsnervenklinik Leipzig. Im Jahr 1965 erwarb er die Facharztanerkennung für Neurologie und Psychiatrie. Bereits 1969 wurde er Oberarzt, 1979 ordentlicher Hochschuldozent. 1985 wurde er zum außerordentlichen Professor ernannt.

Im Jahr 1987 folgte er dem Ruf als ordentlicher Professor auf den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ in Dresden und wurde Direktor der dortigen Klinik und Poliklinik. Mit der Umstrukturierung des Fachbereichs Nervenheilkunde und der Teilung der Klinik wurde ihm 1990 das Direktorat der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie übertragen.

Für die Entwicklung der Hochschulmedizin in Dresden ist er einer der maßgeblichen Protagonisten. 1991 wurde er zum Rektor der Medizinischen Akademie „Carl Gustav Carus“ gewählt. In dieser schwierigen Zeit des Umgestaltens war er daran beteiligt, die Voraussetzungen zur Gründung einer Medizinischen Fakultät zu schaffen. Neue Strukturen und demokratische Gremien, wie zum Beispiel Berufungskommissionen, mussten gebildet werden. Im Jahr 1993 wurde die neue Medizinische Fakultät der Technischen Universität Dresden gegründet. In der Folge fungierte Bach als kommissarischer Dekan, später als Forschungsdekan. 1999 übernahm er das Amt des Medizinischen Vorstandes und des Vorstandssprechers des Universitätsklinikums „Carl Gustav Carus“ in Dresden. Mit Erreichen der Altersgrenze wurde er im Jahr 2002 emeritiert.

„Ein Kulturschock war das damals schon“, erinnerte sich Bach 1999 in einem Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt an die Herausforderungen nach der Wende. Neben den erwünschten politischen Änderungen hätten die Neuerungen den Hochschulangehörigen in Ostdeutschland ein hohes Maß an Flexibilität abverlangt. Aber, so ergänzte er auf einer Veranstaltung am Dresdner Universitätsklinikum 2009, die Verunsicherungen seien an der Fakultät in Dresden gut bewältigt worden. Heute sagt er rückblickend: „Es war eine schöne und aufregende Zeit.“

Bach hat auch die Gründung der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer von Anfang an unterstützt. Besonders setzte er sich für die ärztliche Fortbildung ein. 1997 wurde er zum Vorsitzenden der neu gegründeten Sächsischen Akademie für Ärztliche Fort- und Weiterbildung der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer gewählt. Darüber hinaus ist Bach seit 1995 Mandatsträger in der Kammerversammlung der Sächsischen Lan­des­ärz­te­kam­mer. Von 1999 bis 2007 war er im Vorstand der Kammer aktiv. Bach wurde 2001 in den Vorstand des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung gewählt.

Bundesweites Ansehen genießt er nicht nur in der ärztlichen Selbstverwaltung, sondern auch unter Wissenschaftlern. 1990 wurde er erster Präsident der neu gegründeten Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Nervenheilkunde – Ost. Nach deren Zusammenführung mit der westdeutschen Fachgesellschaft war er zeitweilig Vorstandsmitglied der gesamtdeutschen Gesellschaft. Von seiner Begeisterung für Forschung und Lehre zeugen 91 Publikationen, sechs Fachbücher und mehr als 400 Vorträge.

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