ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2014Entschliessungen zum Tagesordnungspunkt V: Sachstand der Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

DOKUMENTATION: Deutscher Ärztetag

Entschliessungen zum Tagesordnungspunkt V: Sachstand der Novellierung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): A-1096 / B-940 / C-890

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Novelle MWBO

Paragrafen-Teil

(Muster-)Weiter­bildungs­ordnung – Dokumentation und Bescheinigung erworbener Kompetenzen

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Die mit der Novellierung der ärztlichen (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO) betrauten Gremien und Institutionen werden gebeten, die Novellierung der MWBO so zu gestalten, dass nicht erst am Ende der Facharztweiterbildung eine Bescheinigung über alle Kompetenzen ausgestellt wird. Vielmehr sollte in dem Moment, in dem ein Weiterzubildender über die jeweilige Kompetenz verfügt, diese auch dokumentiert werden. Zeitgemäß wäre die Dokumentation in einem Portfolio, welches über die gesamte Dauer der Weiterbildung von den Weiterzubildenden geführt wird. Ein solches Portfolio reflektiert den Fortgang ihrer fachärztlichen Entwicklung und ist Grundlage der Jahresgespräche. Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 empfiehlt, § 8 „Dokumentation der Weiterbildung“ dahingehend zu ändern.

Umsetzung in den LÄKs

(Muster-)Weiter­bildungs­ordnung – Unterstützung der Weiterbildungsbefugten

Die Lan­des­ärz­te­kam­mern werden gebeten, die Weiterbildungsbefugten in der Umsetzung einer derart ambitionierten Novelle der MWBO zu unterstützen. Dafür empfiehlt der 117. Deutsche Ärztetag 2014, dass

1. die Weiterbilder ein Schulungsangebot erhalten, wie sie kompetenzbasiert weiterbilden und die erlangten Kompetenzen auch dokumentieren können. Sie sollen auch bei der weiterbildungsstättenspezifischen Umsetzung des angestrebten Curriculums beraten werden.

2. die Weiterbilder in der direkten Weiterbildungstätigkeit durch Mentoren unterstützt werden.

3. die Qualität der Weiterbildung überprüft wird und wo nötig, die Weiterbildungsbefugten Unterstützung durch die jeweilige Lan­des­ärz­te­kam­mer erfahren, um die Qualität der ärztlichen Weiterbildung zu verbessern.

Begründung:

Es wird nicht gelingen, einen so umfangreichen Kulturwandel hin zur kompetenzbasierten Weiterbildung in der Praxis zu realisieren, ohne entsprechende Schulungsangebote und eine Erweiterung des Kreises der Verantwortlichen für die Umsetzung in die Praxis.

„Laufendes Geschäft“

Maßnahmen zur Sicherstellung der Durchführung der Weiterbildung an anerkannten Weiterbildungsstätten

Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 fordert eine qualitativ hochwertige und strukturierte Weiterbildung. Um diese zu gewährleisten, müssen die Ärztekammern:

1. konsequent eine regelmäßige Aktualisierung der Curricula zur Weiterbildung von den Weiterbildungsbefugten einfordern, welche auch den Weiterzubildenden ausgehändigt werden müssen.

2. die Durchführung der Weiterbildung vor Ort regelmäßig durch geeignete Auditverfahren und mit Hilfe eines einheitlichen und kontinuierlichen Verfahrens (Weiterbildungsevaluation) unter Einbeziehung der Weiterzubildenden überprüfen.

3. regelmäßig überprüfen, ob die strukturellen Voraussetzungen für die Weiterbildungsbefugnis gegeben sind.

4. den Weiterbildungsbefugten Seminare zur Optimierung der Weiterbildung anbieten.

5. bei wiederholt nicht in ausreichendem Maße durchgeführter Weiterbildung die Weiterbildungsbefugnis entziehen.

Begründung:

Eine qualitativ hochwertige Weiterbildung ist zwingende Voraussetzung für eine lang- fristige qualitativ hochwertige Patientenversorgung. Trotz aktuell bestehender Vorgaben ist die praktische Umsetzung der Weiterbildung mangelhaft (vgl. MB-Monitor 2014, DÄ). Mittelfristig ist zu erwarten, dass der heute vorherrschende hohe Standard – ambulant und stationär – nicht mehr gewährleistet werden kann. Die Bedeutung der Weiterbildung muss mehr ins Bewusstsein gerückt werden. Hierzu sind Vorortüberprüfungen notwendig, wie sie bereits international üblich sind (vgl. EJD Policy on PGT Visitations).

Bedingungen für eine sachgerechte Umsetzung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO)

Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 fordert die Lan­des­ärz­te­kam­mern auf, für die konsequente Umsetzung der Weiterbildung in den Krankenhäusern stärker als bisher Sorge zu tragen.

Begründung:

Bei Umfragen stellt sich heraus, dass die Weiterbildungsberechtigten aufgrund der Arbeitsbelastung in den Kliniken für die Weiterbildung nicht mehr ausreichend zur Verfügung stehen. Sie können somit ihrer Verpflichtung, die Weiterbildungsinhalte zu vermitteln, nicht mehr ausreichend nachkommen. Zahlreiche Weiterbildungsbefugte stellen dies zunehmend selbstkritisch fest.

Gleichzeitig gelingt es in der Mindestweiterbildungszeit den Ärztinnen und Ärzten nicht mehr, die vorgeschriebenen Weiterbildungsinhalte zu erlernen. Dies hängt unter anderem auch mit den Auswirkungen des Arbeitszeitgesetzes zusammen. Die in Weiterbildung befindlichen Ärztinnen und Ärzte sind somit gefordert, sich auch in ihrer Freizeit Weiterbildungsinhalte anzueignen.

Die vermehrte Belastung des ärztlichen Personals bei der Krankenversorgung spiegelt sich nicht in den ärztlichen Stellenplänen wider; dies geht auch zulasten einer geordneten Weiterbildung.

Finanzierung der Weiterbildung

Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 fordert eine angemessene Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung im klinischen und niedergelassenen Sektor. Zur Sicherung einer guten Weiterbildung müssen Abteilungen eine ausreichende Besetzung mit Fachärzten haben, die Zeit für eine Anleitung haben.

Begründung:

Ärztliche Weiterbildung ist nicht zum Nulltarif zu haben.

Evaluation

Neukonzeption der Evaluation der Weiterbildung nochmals überdenken

Der 117. Deutsche Ärztetag 2014 fordert die Bundes­ärzte­kammer und die Lan­des­ärz­te­kam­mern auf, bei der Neukonzeption der Evaluation der Weiterbildung den Beschluss IV – 10 des 115. Deutschen Ärztetages 2012 in Nürnberg zu berücksichtigen. Dieser wird dahingehend konkretisiert, dass eine Bewertung der Weiterbildungsstellen spätestens am Ende der Weiterbildung nach bestandener Facharztprüfung erfolgen sollte. Die Ergebnisse sind einmal jährlich zu erheben und unter Nennung der Weiterbildungsstätte/-abteilung zu veröffentlichen.

Begründung:

Die Auswertung der Evaluationen in den Jahren 2009 und 2011 hat gezeigt, dass das gewählte Verfahren nicht hinreichend geeignet war, die Qualität der Facharztweiterbildung in Deutschland repräsentativ abzubilden. Tatsächlich anonyme Befragungen unter den Weiterzubildenden haben teilweise eklatante Differenzen zu den Evaluationsergebnissen offenbart.

Die Delegierten begrüßen daher, dass die Evaluation im Rahmen des aktuellen Pilotprojekts in den Kammern Baden-Württemberg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein sowie Westfalen-Lippe konzeptionell wesentlich überarbeitet fortgeführt wird. Sie bemängeln jedoch, dass der oben genannte Beschluss nicht in die Konzeption einbezogen worden ist. Vor allem der Sorge der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung vor möglichen Nachteilen für ihre Weiterbildung wurde damit nicht hinreichend Rechnung getragen, obwohl dies als ein Grund für die mäßige Resonanz auf die Evaluationen der Jahre 2009 und 2011 anzusehen ist.

Mit der jetzigen Vorgehensweise wird die Aussagekraft der gesamten Evaluation erneut von vorneherein infrage gestellt: Stimmen Weiterzubildende aus Angst vor Rückschlüssen auf ihre Person der Veröffentlichung der Ergebnisse für den Fall nicht zu, dass weniger als vier Bewertungen für eine Weiterbildungsstätte vorliegen, werden ihre Antworten in der Auswertung für die Befugten- und Kammerberichte nicht berücksichtigt. Zudem wird den beteiligten Kammern auch diesmal die wichtige Rückmeldung auf ihre eigene Arbeit fehlen.

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