ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2014Sexuelle Orientierung: Eine verdrehte Geschichte
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Mit ziemlichen Entsetzen musste ich zur Kenntnis nehmen, wie sehr Vorurteile und Widerstände gegenüber Homosexualität noch in den Köpfen mancher Kollegen überdauern. Die längst überfällige Stellungnahme des Weltärztebundes dazu, dass Homosexualität eine natürliche Orientierung ist und keiner Therapie bedarf, wird hier als „Diktatur über das Denken und Fühlen der gesamten Bevölkerung“ empfunden, jeder und jede habe jetzt „Homosexualität als normal, natürlich und gut zu finden“, sogar von einer „Uniform des Regenbogens“ wird gesprochen.

Man kann das Schaudern dahinter förmlich spüren: Homosexualität soll jetzt genauso normal sein wie Heterosexualität?! . . . Ja, Veränderungen fallen schwer. Darum schreibe ich es noch einmal deutlich zum Eingewöhnen: Ja, Homosexualität ist normal und natürlich. Es bedarf keiner Heilung.

Ich muss auch der Leserin auf das Heftigste widersprechen, wenn sie sagt, es hätte keine sachliche Diskussion gegeben, keinen Raum für Widerspruch, ja es wären sogar wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert worden. Diese Behauptung ist . . . unwahr! Die Stellungnahme des Weltärztebundes ist tatsächlich sogar das Ergebnis einer jahrelangen, sachlichen und wissenschaftlichen Diskussion.

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Dass es Fälle geben kann, wo Menschen unter ihrer Sexualität leiden, ist vollkommen richtig. Dies betrifft aber auch Heterosexuelle. Niemand käme auf den Gedanken daraufhin zu sagen, dass Heterosexualität an sich eine Krankheit sei. Und aus dem Leiden mancher Menschen, welches sich aus der Diskriminierung der Sexualität ergibt, abzuleiten, eine Heilung tue not und nicht ein Ende der Diskriminierung, empfinde ich tatsächlich als eine besonders verdrehte Geschichte . . .

Dipl.-Psych. Roland Kirchhof, Psychologischer Psychotherapeut, 38448 Wolfsburg

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