ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2014Placeboeffekt: Merkwürdig berührt
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Es berührt einen erfahrenen alten Arzt, der zeitlebens seine Patienten homöopathisch behandelte, schon sehr merkwürdig, wenn von Mitarbeitern des Bundesversicherungsamts rundweg behauptet wird, die Homöopathie sei reine Placebotherapie. Kein Wort davon, dass der Begriff Placebo aus der wissenschaftlichen Forschung der Homöopathie stammt und der doppelte Blindversuch 1844 vom österreichischen Privatverein homöopathischer Ärzte entwickelt wurde, um die Wirkung von Verum und der „Droge Arzt“ unterscheiden zu helfen. Von den wissenschaftlichen Leistungen der homöopathischen Ärzte, angefangen bei Hahnemann, wie Dokumentation, offene Fragetechnik, Beschränkung auf ein geprüftes Mittel anstelle von Vielgemischen und Polypragmasie, keine Ahnung. Hahnemanns Erfolge bei der Typhusepidemie 1813 und bei der Cholera 1831 völlig egal. Unbekannt auch, wie viele Arzneimittel über die Homöopathie in die konventionelle Medizin eingeflossen sind, wie zum Beispiel Crataegus oder Nitroglycerin . . .

Es ist mehr denn je zu fordern, dass jeder Medizinstudent sich mit den notwendigen Kriterien für eine erfolgreiche Therapie mit Homöopathie sachgerecht auseinandersetzen kann, ferner dass die Postgraduiertenseminare für Homöopathie selbstverständlich auf die Weiterbildung in Allgemeinmedizin angerechnet werden. Mit dem Wissen könnte nämlich ein großer Teil der in der Praxis vorkommenden Fälle tuto, cito et jucunde (sicher, schnell und angenehm) und kostensparend behandelt werden, und die Kollegen hätten mit dem Rüstzeug auch keine Ängste mehr vor einer eigenständigen Niederlassung.

Es ist freilich nicht zu übersehen, wie miserabel die Honorierung ärztlicher Tätigkeit geworden ist, so dass Nachdenken über eine gezielte Anregung der Vitalkräfte von Patienten schlecht gelohnt wird. Technische Leistungen hingegen stehen hoch im Kurs, ob sie nützen oder nicht . . .

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Dr. med. Manfred Freiherr v. Ungern-Sternberg,
Erster Vorsitzender des Vereins selbstdispensierender
homöopathischer Ärzte, 32756 Detmold

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