ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. rer. soc. Ellen Kuhlmann, Professorin für Rehabilitationswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund

Was sollte passieren, damit in Krankenhäusern mehr Geschlechtergerechtigkeit herrscht?

Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): [4]

Ollenschläger, Philipp

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Eine Umfrage des Hartmannbundes unter 2 800 Medizinstudentinnen und jungen Ärztinnen hinsichtlich ihrer Aufstiegsmöglichkeiten ergab, dass ein großer Teil der Befragten von einer Chancenungleichheit im Gesundheitswesen ausgeht: Etwa die Hälfte glaubt, für ihre Karriere auf Familie verzichten zu müssen, zwei Drittel der Befragten, die eine Position als Oberärztin oder Chefärztin anstreben, sind davon überzeugt, nicht die gleichen Karrierechancen wie ihre männlichen Kollegen zu haben.

Was sollte passieren, damit in Krankenhäusern mehr Geschlechtergerechtigkeit herrscht?

Kuhlmann: Zuallererst müssen die Krankenhäuser erkennen, dass sich die Interessen und Bedarfslagen ihrer Beschäftigten geändert haben und sich endgültig vom Geist vergangener Chefarztkönigreiche verabschieden. Immer noch wird „Professionalität“ am Ideal der allzeitigen Verfügbarkeit früherer Ärztegenerationen gemessen, obschon Frauen heute die Hälfte der Ärzteschaft stellen und sich immer mehr Männer diesem Modell widersetzen.

Was muss passieren? Gefragt sind flexiblere Arbeitszeiten und neue Formen der Arbeitsorganisation, aber auch verbindliche Regelungen zur Weiterbildung und Karriereförderungen und eine konsequente Absage an Sexismus. Die Personalprobleme der Krankenhäuser sind nur zu lösen, wenn die Kompetenzen von Frauen besser genutzt werden. Es geht jedoch um weit mehr als verbesserte Möglichkeiten der Kinderbetreuung und Teilzeitarbeitsplätze für Frauen. Die Krankenhäuser müssen bereit sein, ihre etablierten Arbeitsroutinen und Funktionsabläufe grundlegend zu überdenken. Ist die frühe Morgenvisite wirklich ein Naturgesetz? Können neue IT-Technologien zur Unterstützung flexibler Arbeitszeit und Weiterbildung eingesetzt werden? Wie können schwangerschaftsbedingte Engpässe präventiv durch einen hausinternen Stellenpool gemanagt werden? Wie können biografische Phasen/Alter und Karriereentwicklung entzerrt werden? Um diese und viele andere Fragen muss es gehen.

Nicht die Frauen oder die „Generation Y“ müssen sich ändern, die Organisation Krankenhaus ist gefordert. Utopisch? Das hätten die meisten wohl vor Jahren auch zu den heute selbstverständlichen Modellen verbesserter Patientenorientierung und Qualitätssicherung gesagt. Das nächste Ziel muss der verantwortungsbewusste Umgang mit den „Humanressourcen“ sein, und hier ist Geschlechtergerechtigkeit Motor für Innovationen. Ol

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