ArchivDeutsches Ärzteblatt23-24/2014Börsebius: Leidende Aktionäre

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Börsebius: Leidende Aktionäre

Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): A-1111 / B-955 / C-903

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Auf der Haupt­ver­samm­lung bekamen die Bosse der Deutschen Bank die Wut der Anteilseigner zu spüren. Da half es auch nicht viel, dass Kovorstandschef Anshu Jain von „Demut“ sprach, mit der man künftig Geschäfte machen wolle.

Es waren nicht die üblichen Sprücheonkel, sondern ernsthafte Redner, die den Reigen der Kritiker anführten. Hans Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger schimpfte: „Gibt es in der Welt einen Skandal, bei dem die Deutsche Bank nicht dabei ist!“ Und fragte dann: „Wenn in der Investmentbank so viel passiert ist, und Sie haben wirklich nichts davon gewusst – warum haben Sie dann Vorstandsbezüge bezogen?“ In ein ähnliches Horn blies Ingo Speich, Senior Portfoliomanager von Union Investment: „Wenn Vorstand und Aufsichtsrat jahrelang nichts von den Verfehlungen im eigenen Unternehmen wissen, läuft grundsätzlich etwas schief.“ Vor allem an den unfassbar vielen Rechtsstreitigkeiten entzündete sich die Kritik, anhängig sind allein 6 000 Verfahren mit Milliardenrisiken. Aber auch die starke Abhängigkeit vom Investmentbanking, die Rolle der Deutschen Bank im Libor-Skandal und der niedrige Aktienkurs wurden stark bemängelt.

Nun wird plötzlich auch noch eine dramatisch hohe Kapitalerhöhung von mehr als acht Milliarden Euro durchgepeitscht, an der sich der neue Ankeraktionär, Scheich Hammad bin Dschassim bin Dschaber Al Thani aus Katar beteiligen wird. Eine Kapitalerhöhung übrigens, die beide Bankchefs noch vor Monaten ausgeschlossen hatten. So schnell kann es gehen. Nach den Ausführungen von Jain ist dieser kräftige Schluck aus der Pulle nötig, um auf die strengen aufsichtsrechtlichen Eigenkapitalregeln zu reagieren. Pfeifendeckel, das ist pure Schönfärberei.

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Wie zu hören ist, hat die Bankenaufsicht der Deutschen Bank vorgerechnet, dass ihre Risikoaktiva um rund zehn Milliarden zu niedrig in den Büchern stünden. Daher musste das Riesenpaket wohl vor allem geschnürt werden, um eine offensichtliche Risikoschieflage zu reparieren. Dass die Bank das in der Werbung propagierte Motto „Leistung aus Leidenschaft“ tatsächlich mit Leben füllt, kann mit Fug und Recht bezweifelt werden. Als Dividende werden 765 Millionen ausgeschüttet, während Erfolgsprämien für die Banker 2,1 Milliarden ausmachen. Das ist eher eine Leistung, die Leiden schafft. Zumindest für die Aktionäre.

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