DEUTSCHER ÄRZTETAG

Ausländische Gäste: Internationales Aufgebot beim Ärztetag

Dtsch Arztebl 2014; 111(23-24): A-1070 / B-914 / C-864

Ollenschläger, Philipp

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Auch in diesem Jahr fanden sich beim Deutschen Ärztetag wieder eine ganze Reihe ausländischer Gäste ein. Das Deutsche Ärzteblatt wollte von ihnen wissen, was sie am Ärztetag interessiert und welche Themen die Ärzte in ihren Heimatländern bewegen.

Dr. Mads Koch Hansen, Präsident des Dänischen Ärzteverbandes
Dr. Mads Koch Hansen, Präsident des Dänischen Ärzteverbandes

Dr. Mads Koch Hansen

Präsident des Dänischen Ärzteverbandes

Das Interessanteste für mich ist die Tatsache, dass die Themen, die auf dem Deutschen Ärztetag besprochen werden, sehr ähnlich sind wie die Themen, die wir in Dänemark diskutieren, wie zum Beispiel Patientendatensicherheit und ethische Themen. Natürlich sind Aspekte wie die Arbeitsbedingungen von Land zu Land unterschiedlich, aber ansonsten sind die Themen fast identisch.

Momentan diskutieren wir in Dänemark, wie wir die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern können. Dies wollen wir erreichen, ohne mehr dokumentieren zu müssen. Außerdem beschäftigt uns das Thema der Datensicherheit: Wir haben elektronische Patientenakten. Wir müssen zusehen, dass die Patientendaten nicht in die Hände von Menschen geraten, die sie nicht sehen sollten.

Prof. Ashraf Shoma,Ausschuss für Internationale Angelegenheiten bei der Ägyptischen Gewerkschaft der Ärzte
Prof. Ashraf Shoma,Ausschuss für Internationale Angelegenheiten bei der Ägyptischen Gewerkschaft der Ärzte

Prof. Ashraf Shoma

Ausschuss für Internationale Angelegenheiten bei der Ägyptischen Gewerkschaft der Ärzte

Ich bin das erste Mal beim Deutschen Ärztetag. Ich bin froh, dass mich die Bundes­ärzte­kammer eingeladen hat. Für mich ist das Interessanteste, die einzelnen Aspekte des deutschen Gesundheitssystems kennenzulernen und zu sehen, wie ihr die Dinge in Deutschland regelt. In Ägypten bin ich in ähnliche Prozesse involviert, und es wäre schön, einige der Dinge, die ich hier lerne, auch in meiner Heimat zu etablieren. Ich war überrascht, dass die Bundes­ärzte­kammer so viele Gäste aus aller Welt eingeladen hat.

Ich glaube, wir haben weltweit ähnliche Probleme: Das Gesundheitsbudget reicht nicht aus, und wir kämpfen hart dafür, mehr Geld für die Versorgung zu bekommen. Weitere wichtige Themen sind finanzielle Engpässe in der Ägyptischen Gewerkschaft der Ärzte, sowie die Digitalisierung des Gesundheitssystems.

Dr. Drazen Borcic, Vizepräsident der Kroatischen Ärztekammer
Dr. Drazen Borcic, Vizepräsident der Kroatischen Ärztekammer

Dr. Drazen Borcic

Vizepräsident der Kroatischen Ärztekammer

Das Wichtigste ist, dass ich Zeit mit Kollegen aus den unterschiedlichen Ländern verbringe. Ich bin das zehnte Mal beim Deutschen Ärztetag dabei. Mein erster Ärztetag war in Bremen. Dort habe ich die Leute von der Bundes­ärzte­kammer und von den Lan­des­ärz­te­kam­mern kennengelernt. Ich mag es, mich mit ihnen über unsere länderspezifischen Probleme auszutauschen.

Meines Erachtens wird in Kroatien zurzeit ein Krieg gegen Impfungen gefochten. Impfungen sind aber extrem wichtig, um Infektionskrankheiten zu kontrollieren. Der Grund, warum viele Krankheiten ausgestorben sind, sind nun mal die Impfungen. Insbesondere in ländlichen Gegenden werden zu wenige Kinder geimpft. Gerade nach den Unwettern, die wir soeben in Kroatien hatten, ist dies sehr problematisch.

Dr. Harun Drljevic, Präsident der Ärztekammer der Föderation von Bosnien und Herzegowina
Dr. Harun Drljevic, Präsident der Ärztekammer der Föderation von Bosnien und Herzegowina

Dr. Harun Drljevic

Präsident der Ärztekammer der Föderation von Bosnien und Herzegowina

Die Themen, über die die Delegierten sprechen, sind entweder jetzt schon relevant für die Ärzte in der Föderation von Bosnien und Herzegowina, oder werden in Zukunft relevant sein. Die Erfahrung der Bundes­ärzte­kammer ist für junge Organisationen wie unsere Kammer sehr wertvoll. Letztendlich wäre es schön, einige der Dinge zu kopieren, die die Bundes­ärzte­kammer ausmachen. Das ist der fünfte Deutsche Ärztetag, an dem ich teilnehme. Ich möchte so viel wie möglich über die Probleme der deutschen Ärzteschaft erfahren.

Die Föderation von Bosnien und Herzegowina besteht aus zehn Kantonen. Wir haben reichere und ärmere Kantone, das Ungleichgewicht unter den Regionen ist enorm. In den kleineren Kantonen fehlen uns Ärzte, die Entfernungen zwischen den Krankenhäusern sind teilweise sehr groß. Es ist wichtig, dass wir das Solidaritätsprinzip unter den Kantonen, den Krankenhäusern und Medizinischen Versorgungszentren anwenden. Wir müssen politische Barrieren zwischen den Regionen abbauen und miteinander kooperieren. Auch mit unseren Nachbarländern wäre mehr Kooperation wünschenswert.

Dr. Ardis Hoven, Präsidentin des Amerikanischen Ärzteverbands (AMA)
Dr. Ardis Hoven, Präsidentin des Amerikanischen Ärzteverbands (AMA)

Dr. Ardis Hoven

Präsidentin des Amerikanischen Ärzteverbands (AMA)

Die Liste der Tagesordnungspunkte ist sehr interessant. Wir glauben häufig, dass die Ärzte in anderen Ländern andere Probleme haben. Das ist aber nicht der Fall. Wir sprechen weltweit über die Finanzierung, über Qualität, über den Zugang zur Gesundheitsversorgung und über medizinische Weiterbildung. Wie wir die einzelnen Dinge regeln, hängt natürlich stark von unseren Regierungen ab.

Die AMA hat den Affordable Care Act zur erschwinglichen Gesundheitsversorgung im Jahr 2010 unterstützt. Dies taten wir wegen Millionen von Menschen, die ohne Versicherung waren. Wir dachten eigentlich, wir hätten bei der Gesundheitsversorgung in unserem Land einen ganz guten Job gemacht, was die Qualität und die Ergebnisse betrifft, aber wahrscheinlich hatten wir unrecht. Die Gesundheitsreform erlaubt uns, uns in eine bessere Richtung zu bewegen. Sie ist sicherlich nicht perfekt. Es gibt viele Dinge, die verbessert werden müssen, aber letztendlich beinhaltet die Reform mehr positive als negative Aspekte. Ich glaube, dass unsere Regierung gewillt ist, der AMA zuzuhören. Schließlich starteten wir diese Reise gemeinsam. Ich bin sehr optimistisch, dass wir die Qualität der Gesundheitsversorgung verbessern werden.

Dr. Özdemir Aktan, Präsident der Türkischen Ärztekammer
Dr. Özdemir Aktan, Präsident der Türkischen Ärztekammer

Dr. Özdemir Aktan

Präsident der Türkischen Ärztekammer

Es ist toll, so viele internationale Gäste zu treffen. Ich finde, es ist wichtig, dass wir zusammenkommen, um über gesundheitspolitische Probleme zu sprechen. Die meisten dieser Probleme sind schließlich universell.

Natürlich gibt es auch länderspezifische Probleme. In der Türkei haben wir zum Beispiel große Schwierigkeiten mit der Regierung, die einen enormen Druck auf die Ärzteschaft ausübt. Nach den Protesten im Gezi-Park wurden viele Ärzte vor Gericht gestellt, weil sie medizinische Hilfe geleistet haben. Ich habe das Gefühl, dass sich die politischen Zustände sogar noch verschlimmern. Bald ist der Jahrestag der Proteste. Ich gehe davon aus, dass wir dann wieder die gleichen Probleme wie letztes Jahr haben werden. Ärzte, die Demonstranten helfen, können ein bis drei Jahre ins Gefängnis gesteckt werden oder eine Geldstrafe in Höhe von bis zu einer Million US-Dollar auferlegt bekommen.

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