ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2014Psychotherapeutische Versorgung: Gutes Geld für gute Arbeit

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Psychotherapeutische Versorgung: Gutes Geld für gute Arbeit

PP 13, Ausgabe Juni 2014, Seite 241

Bühring, Petra

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Sehr positive Erfahrungen mit ambulanter Psychotherapie haben Menschen gemacht, die in einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (WIdO) befragt wurden (siehe Seite 244). 79 Prozent der Befragten gaben an, sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrer Therapie gewesen zu sein. Bei 87 Prozent besserte sich ihr ursprüngliches Problem durch die Behandlung. Auch auf das körperliche Wohlbefinden, die Beziehungsfähigkeit, die Produktivität und die Arbeitsfähigkeit hatte die Psychotherapie in der subjektiven Beurteilung hohen Einfluss. Je ein Drittel der Befragten gab zudem an, sich weniger krankschreiben zu lassen und weniger Klinikaufenthalte zu haben.

Die WIdO-Studie befragte Menschen mit abgeschlossener Psychotherapie, die deutlich von der Behandlung profitieren konnten. Viele psychisch Kranke kommen jedoch gar nicht erst beim Psychotherapeuten an, sei es, weil ihre Symptome nicht erkannt werden oder weil sie sich von den langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz abschrecken lassen. In Ostdeutschland beispielsweise müssen psychisch Kranke im Durchschnitt 14 bis 19 Wochen auf ein erstes Gespräch bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten warten, zeigte die Studie der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) von 2011.

Deshalb war geplant, vor allem in den ländlichen Regionen deutlich mehr Psychotherapeuten zuzulassen. Bundesweit sah eine Bedarfsplanungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) ab 2013 etwa 1 350 neue Sitze vor; in den neuen Bundesländern sind nach Angaben der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer derzeit 237,5 zusätzliche Praxissitze ausgeschrieben. Dass diese dringend gebraucht werden, steht eigentlich außer Frage, und doch könnten 48,5 dieser Sitze im Osten (209 bundesweit) einer neuen Entscheidung des obersten Gremiums der Selbstverwaltung wieder zum Opfer fallen: Der G-BA will künftig eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) an Kliniken pauschal mit 0,5 auf die Zahl der psychotherapeutischen Praxen anrechnen. Der 24. Deutsche Psychotherapeutentag hat sich entschieden gegen diesen nicht nachvollziehbaren Beschluss ausgesprochen (siehe Seite 247). Dieser ist noch nicht ganz in trockenen Tüchern, weil das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium noch die Möglichkeit hat, ihn zu beanstanden. BPtK-Präsident Prof. Dr. phil. Rainer Richter spricht von einer „reinen Willkürmaßnahme“. Das Diagnose- und Tätigkeitsspektrum der PIA sei ein ganz anderes als das der niedergelassenen Psychotherapeuten.

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Für ihre zufriedenstellende Arbeit hätten Psychotherapeuten und natürlich auch Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten angemessene Honorare verdient. Doch seit Jahren befinden sie sich am untersten Rand der ärztlichen Einkommensskala: Bei vergleichbarer Arbeitszeit liegen die Praxisüberschüsse im Durchschnitt bei weniger als der Hälfte derjenigen von Ärzten. Mit einem „stummen Protest“ machten Psychotherapeuten vor der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Düsseldorf (Seite 252) auf ihre Situation aufmerksam und forderten Honorargerechtigkeit. Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. med. Andreas Gassen, sicherte seine Unterstützung „in vollem Umfang“ zu, empfand die Aktion aber vor allem als gegen die Krankenkassen gerichtet.

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