ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/201424. Deutscher Psychotherapeutentag in Berlin: „Wir sollten den Ball der Politik jetzt auffangen“

POLITIK

24. Deutscher Psychotherapeutentag in Berlin: „Wir sollten den Ball der Politik jetzt auffangen“

Bühring, Petra; Gerst, Thomas

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„Der Beschluss des G-BA hat sehr konkrete negative Auswirkungen auf die Versorgung.“ – Rainer Richter, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Fotos: Bundespsychotherapeutenkammer
„Der Beschluss des G-BA hat sehr konkrete negative Auswirkungen auf die Versorgung.“ – Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer. Fotos: Bundes­psycho­therapeuten­kammer

Eine umstrittene Entscheidung des G-BA, die Kooperation der Bundespsychotherapeutenkammer mit der Bundeswehr, die Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung und die Reform der Ausbildung standen im Mittelpunkt der Debatte.

Der G-BA hat’s gegeben, der G-BA hat’s genommen – hatte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) aufgrund der vom Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Jahresmitte 2013 in Kraft gesetzten neuen Bedarfsplanung noch von einer Vielzahl zusätzlicher psychotherapeutischer Praxissitze ausgehen können, sah sie sich im Vorfeld des 24. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) am 17. Mai in Berlin mit einem G-BA-Beschluss konfrontiert, der das Erreichte wieder deutlich reduziert. Demnach wird künftig eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) pauschal mit 0,5 auf die Zahl der zugelassenen psychotherapeutischen Praxen angerechnet – ein Sachverhalt, den die BPtK nicht zu akzeptieren bereit sei, sagte deren Präsident, Prof. Dr. phil. Rainer Richter, zum Auftakt des 24. DPT. „Wir müssen uns gegen diesen Beschluss wehren.“

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Ganz anderes Diagnose- und Tätigkeitsspektrum

Wenn zwei psychiatrische Institutsambulanzen wie ein psychotherapeutischer Praxissitz gerechnet werden, bedeute dies im Klartext den Wegfall von 209 Praxen. „Dies hat sehr konkrete negative Auswirkungen auf die Versorgung“, unterstrich Richter und kritisierte die Anrechnung der PIA auf die vertragspsychotherapeutische Versorgung als eine Willkürmaßnahme. Ohne Anhörung der BPtK habe der Gemeinsame Bundesausschuss mit Zustimmung von GKV-Spitzenverband, Deutscher Krankenhausgesellschaft und Kassenärztlicher Bundesvereinigung eine Entscheidung herbeigeführt, die die psychotherapeutische Grundversorgung insbesondere in den ostdeutschen Planungsbereichen gefährde. Die BPtK habe sich folgerichtig an das Bundesministerium für Gesundheit mit der Bitte gewandt, den G-BA-Beschluss zu beanstanden.

BPtK-Präsident Richter verwies darauf, dass es die Verpflichtung des normgebenden G-BA gewesen wäre, sich zunächst ein Bild davon zu machen, was eine solche Entscheidung bewirke. Ganz offensichtlich sei das Diagnose- und Tätigkeitsspektrum der PIA ein ganz anderes als das niedergelassener Psychotherapeuten; hier würden andere Patienten mit anderen Methoden behandelt. Explizit richte sich das Angebot der psychiatrischen Institutsambulanzen an Kranke, die von anderen Versorgungsangeboten nur unzureichend erreicht würden. Wegen nicht ausreichender Finanzierung könnten PIA auch keine der ambulanten Richtlinienpsychotherapie vergleichbare Versorgung anbieten. Pro Person und Quartal stünden dort lediglich rund 63 Euro für psychotherapeutische Leistungen zur Verfügung. Geschlossen verwahrte sich die Psychotherapeutenschaft gegen diese Eingriffe von außen.

Die Delegierten verabschiedeten mit großer Mehrheit einen Antrag, der den Vorstand beauftragt, Mindestanforderungen an eine Reform des Psychotherapeutengesetzes zur Grundlage ihrer weiteren Arbeit zu machen.
Die Delegierten verabschiedeten mit großer Mehrheit einen Antrag, der den Vorstand beauftragt, Mindest­anforderungen an eine Reform des Psycho­therapeuten­gesetzes zur Grundlage ihrer weiteren Arbeit zu machen.

Vereinbarung mit der Bundeswehr in der Kritik

Etwas mehr Diskussionsbedarf sahen die DPT-Delegierten mit Blick auf eine kürzlich zwischen der BPtK und dem Bundesministerium der Verteidigung geschlossene Vereinbarung, nach der sich künftig Soldaten nicht nur von Vertragspsychotherapeuten, sondern auch von Psychotherapeuten mit Privatpraxis im Rahmen der Kostenerstattung behandeln lassen können. Gleichzeitig vereinbarten Bundeswehr und BPtK, regelmäßig gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen durchzuführen, in denen interessierten Psychotherapeuten Bundeswehr-Spezifika und das Verfahren der Behandlung und Abrechnung vorgestellt werden. Eine erste solche gemeinsame Veranstaltung fand am 13. März in der Blücher-Kaserne in Berlin-Kladow statt.

Hierzu gab es im Vorfeld des 24. DPT offene Briefe der Neuen Gesellschaft für Psychologie und der International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), in denen das Engagement der BPtK für eine psychotherapeutische Versorgung von Soldaten kritisiert wurde. Richter wehrte sich auf dem DPT gegen diese Kritik. Psychisch kranke Menschen – auch Soldaten – hätten ein Anrecht auf Behandlung. „Es zählt nicht meine politische Einschätzung, wie sinnvoll ich Auslandseinsätze finde oder wie sinnvoll ich generell den Militärdienst finde; entscheidend ist, dass psychisch kranke Menschen vor Diskriminierung und Stigmatisierung geschützt werden.“ Psychotherapeuten, denen es schwer falle, Soldaten zu behandeln, stehe es frei, dies nicht zu tun. Als Therapeut müsse man akzeptieren können, dass psychisch kranke Soldaten nach erfolgreicher Behandlung ihren Dienst wieder aufnehmen, „wenn sie es denn selbst wollen, auch wenn dazu der Auslandseinsatz gehört“.

Therapieziel könnte auch Verweigerung sein

Alfred Krieger, Präsident der Psychotherapeutenkammer Hessen, monierte in der anschließenden Diskussion, dass die BPtK in ihrer Pressemitteilung zu der Vereinbarung auch darauf hätte hinweisen können, dass eine erfolgreiche Therapie nicht nur einen erneuten Auslandseinsatz ermöglichen, sondern auch die Verweigerung eines solchen Einsatzes zur Folge haben könnte. Juliane Dürkorp, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Schleswig-Holstein, vermisste die Aussage, dass „sich unsere Profession grundsätzlich gegen den Krieg ausspricht“. Dr. phil. Manfred Thielen, Berlin, hält den „Soldatenvertrag“ insofern für problematisch, als die Wiederherstellung der Auslandsdienstfähigkeit das übergeordnete Ziel der Therapie sei. Kritisch hinterfragte er die Rolle des Truppenarztes, der über die Therapiefortsetzung entscheide. „Was passiert, wenn er erkennt, dass die Therapie in die falsche Richtung geht?“

Darüber, wie man unter bestimmten einschränkenden Bedingungen leitliniengerecht therapieren kann, hält der BPtK-Präsident eine grundsätzliche Diskussion für erforderlich; dieses Problem gebe es ja nicht nur bei der Behandlung von Soldaten, sondern es betreffe etwa auch den Maßregelvollzug.

Mit Blick auf die Diskussion um die Einführung des pauschalierenden Entgeltsystems für Psychiatrie und Psychosomatik (PEPP) zeigte sich Richter erleichtert, dass die Totalkritik daran mittlerweile nachlasse. Derzeit sei eine Verlängerung der Optionsphase für den Umstieg auf das neue Entgeltsystem vorgesehen. Der G-BA soll bis Ende 2016 verbindliche Personalstandards festlegen; diese dürften dann von keinem Krankenhaus mehr unterschritten werden. Eine Beibehaltung der bisher geltenden Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) wäre unter Qualitätsgesichtspunkten äußerst problematisch. Die Personalstandards seien veraltet, eine leitlinienorientierte Therapie sei unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich. Die verlängerte PEPP-Einführungsphase ermögliche nun eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems. Richter signalisierte seine Bereitschaft zu einer konstruktiven Zusammenarbeit im G-BA. „Es geht darum, ein Entgeltsystem zu finden, das annähernd gerecht honoriert“, betonte der BPtK-Präsident. PEPP sei als ein lernendes System angelegt; hier gelte es, Fehlanreize frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern. Dies funktioniere aber nur auf der Grundlage einer guten Dokumentation der erbrachten psychotherapeutischen Leistungen.

Kontroverse Diskussion über einen Mindestlohn für PiA

Gegenstand einer kontroversen Diskussion auf dem 24. DPT wurde eine von zwölf Delegierten eingebrachte Beschlussvorlage, wonach sich der BPtK-Vorstand bei der Diskussion über den gesetzlichen Mindestlohn für die Einbeziehung der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) in eine solche Regelung einsetzen solle. Dies diene zunächst als eine Linderung der akuten finanziellen Notlage der PiA. Forderungen nach einer dem akademischen Grad der PiA angemessenen tariflichen Entlohnung blieben davon unberührt, heißt es in dem Antrag. Zentral ging es bei der Diskussion darüber um die Frage, ob es dem Ansehen eines akademischen Berufes schade, wenn man sich Mindestlohnforderungen zu eigen mache. Martin Klett, Baden-Württemberg, bemerkte dazu: „Ich stelle mir gerade vor, ich wäre ein betroffener PiA – dann könnte ich mit diesen hehren Worten nichts anfangen.“ Auch Heiner Vogel, Bayern, unterstützte den Antrag: „PiA haben Anspruch auf mehr Geld, und hier gibt es vielleicht dazu eine Möglichkeit.“ Mit der knappen Mehrheit von 52 Ja-Stimmen zu 49 Nein-Stimmen votierten die Delegierten des 24. DPT für den Antrag.

Die Weiterentwicklung der psychotherapeutischen Versorgung war der nächste Punkt auf der Tagesordnung. Der BPtK-Präsident stellte ein „differenziertes Versorgungskonzept“ für psychisch kranke Erwachsene vor, das er als „Vorschlag, an dem man Grundelemente gut diskutieren kann“ verstanden wissen wollte. Neu ist dabei die „psychotherapeutische Sprechstunde“, die Patienten einen zeitnahen Zugang ermöglichen soll. Gedacht ist, dass Therapeuten dabei eine orientierte Erstdiagnostik durchführen, gegebenenfalls auch die Indikation stellen. Notwendig ist nach dem Konzept hierfür eine Kompetenzerweiterung: Psychotherapeuten müssten überweisen und stationär einweisen können, Heilmittel und Rehabilitationsleistungen verordnen und Arbeitsunfähigkeit bestätigen dürfen. Die Richtlinienpsychotherapie soll um weitere Leistungen ergänzt werden: Krisenintervention und auch aufsuchende Behandlung sollen möglich werden sowie die Anleitung von Selbsthilfegruppen und psychoedukativen Gruppen. Psychotherapeuten sollen zudem vereinfacht beziehungsweise mit angemessener Vergütung in multiprofessionellen ambulanten Versorgungsnetzen arbeiten können, wie sie vor allem psychisch Kranke mit komplexem Behandlungsbedarf benötigen. Ermöglicht werden sollen zudem belegpsychotherapeutische Leistungen im Rahmen einer multimodalen Versorgung im Krankenhaus. Voraussetzung für all dies sind unter anderem eine Reihe gesetzlicher Änderungen im SGB V sowie die Überarbeitung der Psychotherapierichtlinie durch den G-BA. Richter betonte: „Die Psychotherapierichtlinie darf nicht so verändert werden, dass sie gefährdet wird.“ Im Übrigen müsse nicht jede psychotherapeutische Praxis eine Sprechstunde und ergänzende Leistungen anbieten.

Peter Lehndorfer, KJP: „Die alleinige Richtlinienpsychotherapie muss weiterhin möglich sein.“
Peter Lehndorfer, KJP: „Die alleinige Richtlinienpsychotherapie muss weiterhin möglich sein.“

Sozialpsychotherapie- Vereinbarung gefordert

Das entsprechende Konzept für die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher stellte Peter Lehndorfer vor, der als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut (KJP) im Vorstand für die Belange dieser Altersgruppe zuständig ist. „Auch hier ist eine psychotherapeutische Sprechstunde mit entsprechender Kompetenzerweiterung vorgesehen“, sagte Lehndorfer. Ergänzend zur Richtlinientherapie soll künftig multiprofessionelle Erstdiagnostik (Logotherapie, Ergotherapie) angeboten werden können. Ebenso aufsuchende Behandlung, psychoedukative Gruppen, auch Elterngruppen, angeleitete Selbsthilfegruppen sowie therapeutische Hilfe zum Beispiel bei Teilleistungsstörungen. Wünschenswert wäre nach dem Konzept eine Sozialpsychotherapie-Vereinbarung, die es KJP ermöglicht, in ihren Praxen Ergotherapeuten, Logopäden oder auch Sozialarbeiter/-pädagogen anzustellen, analog zur Sozialpsychiatrie-Vereinbarung der Kinder- und Jugendpsychiater. „Auch Kinder, die in Heimen leben und häufig psychisch krank sind, sollten eine psychotherapeutische Behandlung angeboten bekommen“, ergänzte Lehndorfer. Schließlich müsse auch die Kooperation von KJP in multiprofessionellen ambulanten Versorgungsnetzen angemessen vergütet werden. Lehndorfer war wichtig zu betonen: „Die alleinige Richtlinienpsychotherapie muss weiterhin möglich sein.“

„Ich begrüße sehr, dass eine sozialpsychotherapeutische Versorgung angestrebt wird“, sagte der Vorsitzende der Vereinigung Psychoanalytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP), Uwe Keller, bei der anschließenden Aussprache. Denn für Kooperation gebe es zurzeit keine Abrechnungsziffer. Gerhard Müller, Delegierter aus Bayern, findet das Konzept „sehr mutig“. Grundsätzlich forderten viele mehr Kommunikation und Kooperation in Netzwerken, „doch keiner will es machen“. Vielleicht könne die Umsetzung des Konzepts zur Motivation beitragen, hofft er. Bernhard Morsch, Saarland, befürchtet, dass KJP in Bezug auf eine sozialpsychotherapeutische Versorgung „anderen Leistungserbringern ins Gehege kommen könnten“. „Nur wenn man sich gegenseitig die Patienten wegnimmt, kommt man sich ins Gehege“, entgegnete Lehndorfer. Das Gegenteil sei der Fall: ärztliche wie psychotherapeutische Praxen hätten lange Wartelisten. Aber: „Wer wo landet, ist weitestgehend zufällig, weil die Strukturen sehr unklar sind.“

Nikolaus Melcop: „Wir müssen Entscheidungen über strukturelle Veränderungen in der Ausbildung treffen.“
Nikolaus Melcop: „Wir müssen Entscheidungen über strukturelle Veränderungen in der Ausbildung treffen.“

Berufsbild und Kompetenzprofil

Die Reform der Ausbildung und Weiterbildung – das Dauerthema der vergangenen Psychotherapeutentage – stand auch diesmal wieder auf der Tagesordnung. Zur Diskussion lag den Delegierten ein Berufsbild und daraus abgeleitetes Kompetenzprofil vor, das eine Arbeitsgruppe (AG) aus Mitgliedern des BPtK-Vorstands und des Länderrates überarbeitet und weiterentwickelt hatte. „Hochschulen und Institute sollten sich jetzt Gedanken machen, ob und wie sie das Berufsbild und das Kompetenzprofil umsetzen“, erklärte Kammerpräsident Richter.

Neben der Weiterentwicklung des Kompetenzprofils seien nun Entscheidungen über strukturelle Veränderungen – Stichwort Direktausbildung versus postgraduale Ausbildung – erforderlich, betonte Dr. phil. Nikolaus Melcop, Präsident der Psychotherapeutenkammer Bayern, für die AG. „Wir sollten den Ball auffangen, den die Politik uns zugeworfen hat“, sagte er, „auch wenn die meisten ihn einfach liegenlassen würden.“ Der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sieht eine Überarbeitung des Psychotherapeutengesetzes und eine Regelung der Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung in dieser Legislaturperiode vor. „Die Profession hat beim 16. Deutschen Psychotherapeutentag eine Entscheidung getroffen“, entgegnete Dr. phil. Ulrich Müller, Hessen, „doch die Politik hat unseren Ball nicht aufgefangen und tut seitdem nichts.“ Dies sei ein „Prokrustesbett“. Zur Erinnerung: Die Delegierten haben beim 16. DPT im Mai 2010 eine Entscheidung (PP, Heft 6/2010) zu einer postgradualen Reform der Ausbildung getroffen. Eine Direktausbildung, also ein Studium der Psychotherapie, sollte danach allenfalls in Modellstudiengängen erprobt werden.

Mindestanforderungen an eine Reform des Gesetzes

„Wir müssen jetzt Mindestanforderungen an eine Reform des Psychotherapeutengesetzes (PTG) formulieren“, betonte BPtK-Präsident Richter. Denn jeder Monat ohne Entscheidung verringere die Chance auf eine Reform in dieser Legislaturperiode. Erste Überlegungen gebe es bereits dazu. Die Reform des Psychotherapeutengesetzes

  • trägt den wachsenden Anforderungen aus der Gesundheitsversorgung Rechnung und orientiert sich an dem daraus abgeleiteten Berufsbild
  • schafft angemessene und zukunftsfähige Rahmenbedingungen für eine qualitätsgesicherte Berufsausübung im ambulanten und stationären Bereich
  • sichert den psychotherapeutischen Nachwuchs durch angemessene strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen
  • schafft eine eindeutige rechtliche Grundlage für eine psychotherapeutische Tätigkeit im Rahmen der Qualifizierung
  • schließt eine Legaldefinition der psychotherapeutischen Tätigkeit ein, die – analog der ärztlichen Tätigkeit – nicht auf Behandlungsverfahren oder -methoden beschränkt ist.

Das PTG gewährleistet die Qualifizierung von Psychotherapeuten durch:

  • ein Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule, Staatsexamen; Abschluss auf Masterniveau (EQR-7)
  • eine bundeseinheitliche Approbationsordnung für den einheitlichen akademischen Heilberuf „Psychotherapeut“ mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche oder Erwachsene
  • verfahrensvertiefende Fachkunde (Arztregistereintrag) bei sicherem Rechtsstatus in der Behandlung
  • Fähigkeit zur Kooperation mit Angehörigen anderer Gesundheitsberufe als Voraussetzung multiprofessioneller Versorgungskonzepte
  • angemessene Übergangsregelungen.

Die Delegierten verabschiedeten mit großer Mehrheit einen Antrag, der den Vorstand beauftragt, diese Mindestanforderungen zur Grundlage ihrer weiteren Arbeit zu machen.

Der 25. Deutsche Psychotherapeutentag wird im Herbst – ausgerichtet von der Psychotherapeutenkammer Bayern – in München stattfinden.

Petra Bühring, Thomas Gerst

Für eine Direktausbildung

Für eine Reform der Ausbildung in Richtung Direktausbildung mit anschließender Weiterbildung sprach sich eine unabhängige Gruppe von vier jungen Psychotherapeuten aus, die sich innerhalb der Deutschen Psychotherapeuten-Vereinigung kennengelernt haben. Sie legten dem 24. DPT ein Thesenpapier vor, das etwa 400 Personen, davon 230 Psychotherapeuten in Ausbildung, bis dahin unterzeichnet hatten. „Wir betrachten mit großer Sorge die Neigung, alles kleinschrittig zu machen, die Risiken sind zu groß“, sagte Felix Jansen, Köln, vor den Delegierten. „Die Signale für eine umfassende Reform sind besser als je zuvor – es ist eine „historische Chance.“ Für eine Direktausbildung und Weiterbildung spreche unter anderem:

  • der eindeutige Status als akademischer Heilberuf
  • die konsequente fachärztliche Gleichstellung
  • die Sicherung des deutschen Sonderstatus in Europa
  • die vollen sozialrechtlichen Befugnisse für Psychotherapeuten
  • die Vergütung während der psychotherapeutischen Fachweiterbildung
  • der klare Rechtsstatus bei der Durchführung von Heilbehandlungen während der Weiterbildung
  • BAföG während der Ausbildung.

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