ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2014Anomalien: Häufig übersehen und undiagnostiziert

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Anomalien: Häufig übersehen und undiagnostiziert

PP 13, Ausgabe Juni 2014, Seite 271

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Bei der Entwicklung im Mutterleib kann es zu zahlreichen Fehlbildungen kommen. Einige davon sind auffällig und gehen mit charakteristischen Merkmalen einher wie etwa das Down-Syndrom, die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder das fetale Alkoholsyndrom. Es gibt aber mehr als 3 000 Anomalien und Syndrome, die wenig auffallen und oft auch nicht behandlungsbedürftig sind. Viele werden übersehen und bleiben undiagnostiziert. Fetale Entwicklungsstörungen sind zwar keine primäre Indikation für Psychotherapeuten, dennoch sollten sie sich nach Meinung der amerikanischen Neuropsychologen und Genetiker Daniel Orme (Iowa City VA Health Care System) und Pamela Trapane (University of Iowa) ein wenig damit auskennen, weil sie für die Therapie relevant sein können. Neben körperlichen Ausprägungen gehen mit vielen fetalen Entwicklungsstörungen teilweise kognitive, emotionale und behaviorale Abweichungen einher, die sich als Defizite und Störungen äußern können und sich auf die Arbeit mit den Patienten und den Therapieerfolg auswirken. Weniger auffällige Anomalien können bei der Erstuntersuchung zum Beispiel an kleinen Deformationen an Händen, Ohren und Haaransatz sowie im Gesicht erkannt werden. Sie weisen zwar auf eine untypische Entwicklung hin, sind aber keine direkten Hinweise auf bestimmte Erkrankungen. Ein Beispiel ist das Mikrodeletionssyndrom 22q11. Es geht mit bis zu 180 Abweichungen einher und wird in medizinischen und psychologischen Untersuchungen nicht selten übersehen. Die Betroffenen werden oft erst in höherem Alter wegen psychiatrischer und kognitiver Probleme vorstellig.

Die Feststellung von Anomalien ist wichtig, weil davon der weitere Behandlungsablauf abhängt. „Psychotherapeuten sollten aufmerksam für Anomalien sein und sich entsprechend informieren und fortbilden“, sagen die Autoren. ms

Orme D, Trapane P: Dysmorphology: Why is it important to practicing psychologists? Professional Psychology 2013; 44(6): 398–404.

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