ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2014Arbeitspsychologie: Smartphones beschleunigen emotionale Erschöpfung

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Arbeitspsychologie: Smartphones beschleunigen emotionale Erschöpfung

PP 13, Ausgabe Juni 2014, Seite 271

MS

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Viele Menschen sind heutzutage rund um die Uhr erreichbar. Dank Handy und Smartphone stehen sie privat und beruflich immer zur Verfügung. Welche Folgen dies haben kann, zeigen drei niederländische Arbeitspsychologinnen um Daantje Derks von der Erasmus University Rotterdam auf. Sie baten 70 deutsche Berufstätige, die für drei international orientierte Unternehmen tätig waren, vier Tage lang ein Tagebuch zu führen. Die Teilnehmer notierten darin, wie oft sie ihr Smartphone am Arbeitsplatz und in ihrer Freizeit zu beruflichen Zwecken nutzten und wie es ihnen zu verschiedenen Tageszeiten psychisch erging. Die Auswertungen der Eintragungen ergaben, dass Teilnehmer, die intensiv ihr Smartphone nach Feierabend nutzten und sofort auf jede eingehende Nachricht reagierten, kaum von der Arbeit abschalten konnten. Es gelang ihnen nicht, sich zu entspannen und zu erholen. „Ihr Job war Tag und Nacht präsent für sie, mit der Folge, dass sie sich erschöpft und frustriert fühlten“, sagen Derks und Kolleginnen. Angesichts der Tendenz, dass die Nutzung von Smartphones in Beruf und Freizeit voraussichtlich weiter zunehmen wird, befürchten die Autorinnen eine starke Ausbreitung psychischer Erschöpfungszustände infolge dauernder Erreichbarkeit. Sie empfehlen Berufstätigen, bewusst zwischen Arbeitszeit und Freizeit zu trennen, sich von der Arbeit abzugrenzen, indem sie das Smartphone gelegentlich ausschalten, und mit dem Arbeitgeber zu klären, wann sie erreichbar sein müssen und wann nicht. Arbeitgeber sehen sie in der Pflicht, ihren Mitarbeitern Auszeiten zu gönnen und entsprechende Arbeitsnormen zu etablieren, in denen Erholungszeiten ebenso wertgeschätzt werden wie Arbeitszeiten. ms

Derks D, van Mierlo H, Schmitz E: A diary study on work-related smartphone use, psychological detachment and exhaustion. Journal of Occupational Health Psychology 2014; 19(1): 74–84. MEDLINE

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