ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2014Intelligenzforschung: Kritisch-wissenschaftlicher Blickwinkel

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Intelligenzforschung: Kritisch-wissenschaftlicher Blickwinkel

PP 13, Ausgabe Juni 2014, Seite 274

Koch, Joachim

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Gut verständlich und erstaunlich umfassend, an einigen Stellen vielleicht zu sehr ausufernd (das Literaturverzeichnis umfasst 127 Seiten), behandelt Detlev H. Rost im Handbuch das für die Psychologie wichtige Konstrukt der Intelligenz. Für den Autor war ein Grund, dieses Buch zu schreiben, die Feststellung, die er in 25 Jahren bei vielen Vorträgen machte, dass die Ergebnisse der empirischen Intelligenzforschung kaum bekannt sind. Das sieht er besonders deshalb als verwunderlich an, weil Intelligenztests zu den besten psychologischen Instrumenten gehören und Intelligenz das am häufigsten untersuchte psychologische Merkmal überhaupt darstellt. In der öffentlichen Diskussion schlagen die Emotionen schnell hoch, wenn Intelligenz im Zusammenhang der Vererbung der kognitiven Leistungsfähigkeit thematisiert wird. Gegen Vorurteile, Mythen und pseudowissenschaftliche Stellungnahmen diskutiert der Autor in acht Kapiteln ausgewählte Ergebnisse der Intelligenzforschung unter kritisch-wissenschaftlichem Blickwinkel. Wichtige Inhalte werden am Ende der einzelnen Kapitel noch einmal kurz zusammengefasst dargestellt.

Nach einer Annäherung an den Begriff der Intelligenz im ersten Kapitel werden in den beiden folgenden die „traditionellen“ Intelligenztheorien (wie die von Spearman, Thurstone, Guilford oder Cattell) sowie die „alternativen“ Theorien (wie Thorndikes Soziale Intelligenz, Gardners Multiple Intelligenzen oder Sternbergs Praktische Intelligenz) dargelegt und diskutiert. Dann geht es im nächsten Kapitel um den Generalfaktor der Intelligenz, die Entwicklung der Intelligenztests sowie das Konstrukt des Arbeitsgedächtnisses. Im fünften Kapitel werden Geschlecht sowie sozio-ökonomischer Status zum Konzept der Intelligenz in Beziehung gesetzt.

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Anschließend geht es um das Thema Berufs- und Lebenserfolg. Hier wird als Einzelbefund referiert, dass zusätzlich zu Intelligenztests eingesetzte Verfahren der Personalauswahl (wie Einstellungsinterview oder Assessment-Center) die Aufklärung der Berufserfolgsvarianz nicht nennenswert steigern. Oder als Ergebnis von Vergleichsstudien: Die Gruppe der konservativen und der sehr religiösen Menschen ist im Durchschnitt weniger intelligent als die Gruppe der politisch liberalen Bürger und der Atheisten. Im siebten Kapitel geht es um die Organisation von Intelligenz im Gehirn, das Verhältnis von Intelligenz zur Gesundheit und zum Gesundheitsverhalten sowie um die Frage der Erblichkeit von Intelligenz. Im Abschlusskapitel geht der Autor auf 100 Seiten der Frage der zeitlichen Stabilität von Intelligenz im Lebensverlauf nach und referiert und diskutiert viele spannende Ergebnisse zur Förderung von Intelligenzleistungen. Joachim Koch

Detlef H. Rost: Handbuch Intelligenz. Beltz, Weinheim 2013, 608 Seiten, gebunden, 68 Euro

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