ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2014Medienabhängigkeit: Vielfältige „spielerische“ Anregungen

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Medienabhängigkeit: Vielfältige „spielerische“ Anregungen

PP 13, Ausgabe Juni 2014, Seite 273

Hackler, Joachim

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Neulich in einer Therapiestunde: Eine kompetente, kluge und verantwortungsbewusste junge Studentin im ersten Semester klagt darüber, dass sie sich dem „Gruppenzwang“ von sozialen Netzwerken nicht entziehen könne. Sie wolle „doch dazugehören“, deswegen müsse sie immer „on“ sein, um ja den „Anschluss“ nicht zu verpassen, sonst sei sie „außen vor“. Verhaltenstherapeuten können sich in ihrer kognitiven Arbeit gut mit diesen dysfunktionalen oder auch irrationalen Annahmen auseinandersetzen und gleichzeitig einen gigantisch erscheinenden gesellschaftlichen Trend, der vor allem junge Menschen dominiert, kritisch reflektieren. Wir erleben „Medienabhängigkeit“ in fast allen gesellschaftlichen Bereichen und in vielfältigen Ausprägungen in Bezug auf jedes mediale Endgerät. Daher sollten wir uns gerade auch im therapeutischen Kontext mit Information und Konzepten gut versorgen.

Hier kann der kleine Band erste gute Dienste leisten. Zielgruppe sind Praktiker, die nicht in erster Linie therapeutische, sondern vielfältig pädagogische Arbeit im Sinne von Prävention, Bewusstmachung und Hilfe zur Selbsthilfe mit Jugendlichen leisten. Der Band gibt diagnostische Kriterien zur Einordnung und vielfältige „spielerische“ Anregungen zum Erwerb von angemessener Medienkompetenz. Im Vordergrund stehen gruppenorientierte Szenarien, die sich im besten Sinne des Wortes „interaktiv“ und selbstreflexiv umsetzen lassen. Viele der Anregungen und Informationen lassen sich indes auch im therapeutischen Kontext aufgreifen und umsetzen. Weiterführende Angaben zu Literatur und Materialien findet man nicht nur online, sondern auch in gedruckten Werken, auf die der Leser hingewiesen wird – auf jeden Fall zum orientierten Einstieg und für die praktische Arbeit gut geeignet und daher empfehlenswert.

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Abschließend kommt mir die bekannte Empfehlung eines altgedienten Medienexperten wieder in den Sinn: „Und . . . jetzt am besten abschalten“ war der regelmäßige Hinweis von Peter Lustig am Ende einer „Löwenzahn“-Folge. Wie recht er doch auch heute noch damit hat. Joachim Hackler

Fachverband Medienabhängigkeit (Hrsg.): Let’s play – Methoden zur Prävention von Medienabhängigkeit. Pabst Science Publishers, Lengerich 2013, 54 Seiten, kartoniert, 10 Euro

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