ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2014Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Prof. Dr. med. Thomas Dimpfl, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Die Geburtshilfestationen stehen im DRG-System unter einem enormen finanziellen Druck. Viele Stationen haben in den vergangenen Jahren schließen müssen. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Arbeitsalltag in den Kliniken?

Dtsch Arztebl 2014; 111(25): [4]

Flintrop, Jens

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Die Geburtshilfestationen stehen im DRG-System unter einem enormen finanziellen Druck. Viele Stationen haben in den vergangenen Jahren schließen müssen. Welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf den Arbeitsalltag in den Kliniken?

Dimpfl: Der Kostendruck führt zu einer enormen Arbeitsverdichtung bei den Ärzten, Hebammen und Pflegenden in der Klinik. Aufgrund der gesetzlichen Anforderungen, wie Wegfall der Rufbereitschaft, Vorgaben zur Facharztverfügbarkeit und ständiger Hintergrundpräsenz eines Schwerpunktinhabers „Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin“, spielt die Planung und Steuerung von Personalkosten insbesondere für Perinatalzentren eine wichtige Rolle für die Finanzierung. Nur durch die Bereitschaft von Assistenzärzten, Überstunden zu leisten, sowie zusätzlich übergreifende Dienste von Gynäkologie und Geburtshilfe funktioniert das System. Eine alleinige Personalzuordnung auf die Geburtshilfe würde ohne diese Quervernetzung zu einer Unterdeckung des Zentrums führen.

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Die Arbeitsverdichtung und die Tatsache, dass Geburtshilfe keine Regelzeiten von 7.30 bis 17 Uhr hat, führt zu einem hohen Zeiteinsatz. Dieses widerspricht jedoch den Ansprüchen der jüngeren Generation nach einerseits ausreichender Zeit für die Aus- und Weiterbildung als auch genügend Zeit für Freizeit und Familie. Familienfreundliche Teilzeittätigkeiten sind oft schwer mit dem geburtshilflichen Schichtdienst zu vereinbaren. Aus- und Weiterbildung benötigen zudem finanzielle Ressourcen, die im aktuellen System nicht vollumfänglich einkalkuliert sind. Des Weiteren können geburtshilfliche Kliniken zum Teil nicht mehr das gesamte Spektrum zur Weiterbildung anbieten, wie zum Beispiel in der personalintensiven Pränatalmedizin. Auch die Zusatzqualifikationen wie die Schwerpunktbezeichnung Spezielle Geburtshilfe und Perinatalmedizin, werden nicht mehr von vielen angestrebt.

Derzeit leidet die Versorgung von Mutter und Kind nicht, da Ärzte, Hebammen und Pflege trotz der Mehrbelastung ihr Bestes geben. Die aktuelle Finanzierungssituation birgt jedoch Risiken für die Zukunft: Neben möglichem Nachwuchsmangel und dem Rückzug von Belegärzten und -hebammen aus dem System, kann der Kostendruck im DRG-System auch zu monetären Fehlanreizen führen. Die DGGG hat in ihrem DRG-Projekt unter anderem Erkenntnisse zur Unterfinanzierung von Langliegern in der Geburtshilfe erhalten, die im DRG-System nicht sachgerecht vergütet werden. Der Gefahr, dass hierdurch finanzielle Fehlanreize entstehen, die in speziellen Risikosituationen zu einer früheren Entbindung führen (mit entsprechender Morbidität für das früher geborene Kind), muss auch weiterhin entschlossen entgegen getreten werden. JF

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