ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2014Altersdiagnostik: Sinnentstellend
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. . . Leider werden in dem Beitrag von Nowotny et al. die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft für Forensische Altersdiagnostik (AGFAD) sinnentstellend zitiert, die Aussagemöglichkeiten der von der AGFAD empfohlenen Methoden fehlerhaft dargestellt und die Ausführungen unter Missachtung des aktuellen Standes der Wissenschaft formuliert. Außerdem wird die einschlägige Rechtslage falsch interpretiert.

Als am besten geeignete Methodik für forensische Altersschätzungen bei lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei vorhandener Rechtsgrundlage für Röntgenuntersuchungen (zum Beispiel Aufenthaltsgesetz, Strafprozessordnung) empfiehlt die AGFAD die Kombination aus einer körperlichen Untersuchung, einer zahnärztlichen Untersuchung mit Auswertung einer Röntgenaufnahme des Gebisses sowie eine Röntgenuntersuchung der Hand. Bei abgeschlossener Handskelettentwicklung soll eine zusätzliche radiologische Untersuchung der Schlüsselbeine erfolgen. Dem Handradiogramm kommt entgegen den Behauptungen von Nowotny et al. ein hoher Stellenwert zu, weil ein nicht ausgereiftes Handskelett die Minderjährigkeit der zu untersuchenden Person beweist. Da die radiologische Untersuchung der Schlüsselbeinossifikation nur bei abgeschlossener Handskelettentwicklung erfolgt, dient das Handradiogramm außerdem der Vermeidung einer unnötigen Strahlenexposition. Als Methode der Wahl für den Nachweis der Vollendung des 18. Lebensjahrs gilt derzeit die CT-Untersuchung der medialen Schlüsselbeinenden. Entgegen den Behauptungen von Nowotny et al. liegen hierfür mehrere aussagekräftige Referenzstudien vor.

Die körperliche Untersuchung dient im Übrigen nicht in erster Linie der Altersschätzung, sondern dem Ausschluss altersrelevanter Entwicklungsstörungen. Denn nur bei normaler Entwicklung ist es zulässig, vom biologischen Alter auf das chronologische Alter rückzuschließen.

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Die von Kritikern als Alternative zum von der AGFAD empfohlenen Methodenspektrum geforderte psychosoziale Altersschätzung ist aus wissenschaftlicher Sicht abzulehnen, da hierfür valide Referenzstudien fehlen. Die Befürworter psychosozialer Altersschätzungen müssten erklären, warum sie ausgerechnet aufgrund dieser Methode eine wissenschaftlich fundierte und vorurteilsfreie Begutachtung gewährleistet sehen.

Literatur bei den Verfassern

Prof. Dr. med. Andreas Schmeling, Sekretär der AGFAD,
Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums
Münster, 48149 Münster

Prof. Dr. med. Gunther Geserick, Vorsitzender der AGFAD, 10707 Berlin

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