ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2014Altersdiagnostik: Vorsicht vor falschen Schlüssen
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Ich bin dankbar für diesen Artikel. Allerdings fehlt mir ein Aspekt: Wir erleben aufgrund der frühen Stresssituationen, denen die Jugendlichen durch oft jahrelanger Flucht ausgesetzt sind, eine frühzeitige körperliche Akzelleration. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich ein erhöhter Cortisolspiegel, möglicherweise kommt es in dieser Zeit zu einer Stellwertverschiebung in der Hypophyse. Von daher können die früher ermittelten Standardwerte nicht mehr stimmen, selbst wenn sie seriös in den Herkunftsländern ermittelt worden sein sollten. Ich selbst habe in der therapeutischen Begleitung dieser Jugendlichen immer wieder erlebt, wie gealtert diese Jugendlichen trotz nachgewiesenem niedrigen Alters waren. Das verführt häufig zu falschen Schlüssen, selbst bei Ärzten und Kinderärzten. Es gibt für diese Gruppe von Jugendlichen, die ja Außerordentliches in einer wichtigen Entwicklungsphase durchgemacht haben, keine wissenschaftlich fundierten somatischen Standards, so dass sich eigentlich jegliche seriöse Altersfeststellung verbietet. Statt sie in eine sinnlose Altersfestlegungsdiagnostik zu pressen, sollten diese Jugendlichen dahingehend untersucht werden, was sie wirklich brauchen (psycho-soziales Clearingverfahren): Perspektive, Sicherheit, Ziele und Förderung ihrer Fähigkeiten und Ressourcen. Dafür sollten wir uns als Ärzte stark machen, anstatt in windigen Spekulationen zu ihrem Geburtsalter zu verharren.

Ernst-Ludwig Iskenius, Arzt, 18106 Rostock

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