ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2014Generika: Kritik an Rabattverträgen

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Generika: Kritik an Rabattverträgen

Dtsch Arztebl 2014; 111(25): A-1132 / B-973 / C-920

Osterloh, Falk

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Rabattverträge senken die Arzneimittelausgaben. Doch sie befördern Lieferengpässe und eine Marktverengung, kritisierten Experten anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Verbandes „Pro Generika“.

„Bei vielen wichtigen Produkten sichern lediglich drei Unternehmen die Versorgung“, sagt Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender von „Pro Generika“. Foto: Georg J. Lopata
„Bei vielen wichtigen Produkten sichern lediglich drei Unternehmen die Versorgung“, sagt Wolfgang Späth, Vorstandsvorsitzender von „Pro Generika“. Foto: Georg J. Lopata

Vor zehn Jahren hat sich der Verband „Pro Generika“ gegründet. Seither ist im Arzneimittelsektor viel geschehen. So stieg der Verbrauch von Generika von 17,6 Milliarden definierten Tagesdosen im Jahr 2005 auf 30,5 Milliarden im vergangenen Jahr an. „Heute stehen Generika für 75 Prozent der Arzneimittelversorgung in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Ohne Generika könnten wir uns keine Arzneimittelversorgung in Deutschland mehr vorstellen“, sagte der Vorstandsvorsitzende von „Pro Generika“, Wolfgang Späth, am 5. Juni auf einer Fachkonferenz anlässlich des zehnjährigen Verbandsjubiläums in Berlin.

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Dennoch zeigte er sich unzufrieden. Denn abzüglich der Rabattverträge zahlten die Krankenkassen etwa 2,4 Milliarden Euro pro Jahr für Generika. Dies sei nur ein Prozent der gesamten Ausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. „Da sieht man schon ein gewisses Missverhältnis“, kritisierte Späth. Hinzu kämen gestiegene Anforderungen an die Arzneimittelsicherheit und die Pharmakovigilanz, die vor allem Firmen träfen, die Arzneimittel in hoher Auflage produzierten, also Generikahersteller. „Wir gehen davon aus, dass deshalb künftig 15 bis 30 Prozent der Generika aus dem Vertrieb genommen werden“, erklärte Späth weiter. Das sehe man zwar aufgrund der extremen Vorlaufzeiten von bis zu vier Jahren heute noch nicht. Die Folge sei dennoch eine Marktverengung. „Bei vielen wichtigen Produkten sichern lediglich drei Unternehmen die Versorgung“, so Späth.

Auch der Chefapotheker der Universitätsklinik Tübingen, Dr. rer. nat. Hans-Peter Lipp, kritisierte die niedrigen Ausgaben für Generika: „Es kann nicht sein, dass die Behandlung einer lebensbedrohlichen Infektion mit einem generischen Antibiotikum billiger ist als eine Pizza aus dem Kühlregal.“ Das sei keine Wertigkeit mehr.

Lipp befand, dass Rabattverträge indirekt einen Einfluss auf Lieferengpässe von Arzneimitteln hätten, weil manche Herstellerfirmen komplett aus der Produktion ausgestiegen seien und in der Folge keine Krankenhäuser mehr belieferten. Zudem kritisierte er die zunehmende globale Konzentrierung von Produktionsstätten. Diese Monopolisierung führe zur Erpressbarkeit und einem absehbaren Anstieg der Preise. Zudem stehe einer steigenden internationalen Nachfrage, zum Beispiel aus Schwellenländern, ein gleichbleibendes oder rückläufiges Rohstoffangebot gegenüber.

Noch Zurückhaltung bei den Biosimilars

Während die Verordnung von Generika für Ärzte selbstverständlich geworden ist, sind viele bei Biosimilars noch zurückhaltend. Zu unrecht, sagte der Vorsitzende der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Prof. Dr. med. Wolf-Dieter Ludwig. Denn nach wissenschaftlichen Erkenntnissen verhielten sich Biosimilars nicht anders als die Originalpräparate. „Bezüglich der pharmazeutischen Qualität gelten dieselben Anforderungen wie für jedes neue Biological“, betonte Ludwig. So müssten zum Beispiel Daten zur Effektivität und Sicherheit im Menschen vorliegen sowie Daten zur Immunogenität. Eigentlich sei alles sonnenklar. Dennoch lasse die Marktdurchdringung zu wünschen übrig. „Es besteht noch erheblicher Aufklärungsbedarf“, so Ludwig.

Gemeinsam aufklären wollen die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe und die Barmer GEK, wie der Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Dr. med. Christoph Straub, erklärte: Es gebe eine Vereinbarung, im Bereich Rheuma Informationsangebote für Ärzte zu entwickeln und das Wissen über Biosimilars zu fördern. Dabei sollen auch Verordnungsziele definiert und die Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit dem „RABBIT-Register“ des Deutschen Rheumaforschungszentrums zur Verfügung gestellt werden. Es gehe aber nicht darum, Ärzte für eine Verordnung von Biosimilars finanziell zu belohnen. „Eine direkte Bonifizierung eines bestimmten Verordnungsverhaltens sollte ausgeschlossen sein“, sagte Straub.

Falk Osterloh

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