ArchivDeutsches Ärzteblatt25/2014Fussball: Strahlentherapeutisch

POLITIK: Die Glosse

Fussball: Strahlentherapeutisch

Dtsch Arztebl 2014; 111(25): A-1128 / B-970 / C-918

Momm, Felix

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Nach Feierabend traf ich vor der Klinik einen Kollegen aus der Chirurgie. Er deutete auf einen ziemlich ramponierten Fußball in seinem Kofferraum (Abbildung 1) und meinte grinsend und zwinkernd, dass wir Strahlentherapeuten doch wahre Wunder vollbringen könnten – vielleicht würde aus dem alten 2006er Sommermärchen-WM-„Teamgeist“ ja durch eine gute Strahlentherapie ein neuer 2014er „Brazuca“? – Wenn ein Viszeralchirurg einmal im Leben die Profession des Radioonkologen so sehr schätzt, wird natürlich dessen Ehrgeiz geweckt. Bei aller Überzeugung von unserem Fach müssen wir dann zwar doch zugeben, dass wir keine Verjüngungskuren – und sei es auch nur für Fußbälle – bewirken können. Aber durch eine Volumenmodulierte Arc Therapie (VMAT) sollte es möglich sein, höchst präzise nur die Haut des Balles zu bestrahlen und das Innere, die Luft, als „Risikoorgan“ zu schonen. – Kurzum: Ich lieh mir den Ball aus und brachte ihn eigenhändig zum Bestrahlungsplanungs-Computertomogramm, wo der ungewöhnliche Patient freudig empfangen und in der Mittagspause scheibchenweise dargestellt wurde (Abbildung 2). Nach dem Einzeichnen der entsprechenden Zielvolumina im Planungssystem opferten die ebenfalls fußballbegeisterten Medizinphysiker ihren Feierabend und schafften es tatsächlich, einen VMAT-Bestrahlungsplan zu erstellen, der die Haut des Balles mit einer Dosis von 60 Gy und das Ventil mittels integriertem Boost, das heißt in einem Bestrahlungsvorgang, mit einer Dosis von 70 Gy versorgte (Abbildung 3). Der Ball simulierte dabei sehr gut zum Beispiel die Situation an einer zu bestrahlenden konkaven Thoraxwand mit maximaler Schonung der direkt anliegenden Lunge.

Porträtaufnahme Patient
Porträtaufnahme Patient
Abbildung 1
Porträtaufnahme Patient
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CT-Schicht des Balles in Ventilebene
CT-Schicht des Balles in Ventilebene
Abbildung 2
CT-Schicht des Balles in Ventilebene
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Abbildung 3
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten
Abbildung 4
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten

Ich verwendete die Abbildungen in einem Vortrag über moderne Verfahren in der Strahlentherapie – unter anderem vor Chirurgen. Den Zuhörern konnte sehr einfach veranschaulicht werden, dass wir mittlerweile mit einem geraden Strahl auch bizarre Volumina und sogar Hohlkugeln präzise mit einer Strahlendosis ausfüllen und so durch Schonung des gesunden Gewebes Nebenwirkungen in erheblichem Maße vermeiden können. Als mir dann noch einer der Physiker berichtete, dass sie aus der der Fußball-Planung vieles über die Möglichkeiten und Grenzen unseres Planungssystems und unserer Bestrahlungsgeräte gelernt hatten und in der Zukunft unsere Patienten davon profitieren würden, war ganz klar: Der schneidende Kollege hatte einen neuen Ball verdient – zumindest einen kleinen (Abbildung 4).

*unter Mitwirkung von Ernest Okonkwo und
Reiner Steurer (Medizinphysiker)

Prof. Dr. med. Felix Momm*, Ortenau-Klinikum Offenburg, Radioonkologie
Porträtaufnahme Patient
Porträtaufnahme Patient
Abbildung 1
Porträtaufnahme Patient
CT-Schicht des Balles in Ventilebene
CT-Schicht des Balles in Ventilebene
Abbildung 2
CT-Schicht des Balles in Ventilebene
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Abbildung 3
Bestrahlungsplan in der Ventilebene
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten
Abbildung 4
Porträtaufnahme eines nahen Verwandten des Patienten

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