ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1999Gesundheitsreform/Bevölkerungsumfrage: Freie Arztwahl - für den Patienten unverzichtbar

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Gesundheitsreform/Bevölkerungsumfrage: Freie Arztwahl - für den Patienten unverzichtbar

Clade, Harald

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LNSLNS Hausärzte genießen hohes Vertrauen bei ihren Patienten, aber die Mehrheit wünscht auch freien Zugang zum Facharzt.
Das in § 76 Abs. 3 Sozialgesetzbuch V (SGB V) verankerte Recht der freien Arztwahl ist für die Erwachsenenbevölkerung ein unverzichtbares hohes Gut. Die Mehrheit der repräsentativ durch das Wissenschaftliche Institut der Ärzte Deutschlands e.V. (WIAD), Bonn, Befragten will auf dieses Recht auch dann nicht verzichten, wenn daraus persönliche finanzielle Vorteile resultieren - beispielsweise, daß der Beitragssatz zur Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ermäßigt oder ein günstigerer Hausarzttarif gewählt wird.
Die Umfrage wurde von der Ärztekammer Nordrhein (Düsseldorf) in Auftrag gegeben. Befragt wurden im November und Dezember des vergangenen Jahres 1 013 Bundesbürger im Alter von mehr als 18 Jahren. Die wichtigsten Ergebnisse: 99 Prozent pochen darauf, den Hausarzt frei wählen zu können. 91 Prozent gaben an, einen Hausarzt zu haben. Dennoch ist es für 76 Prozent der Erwachsenen wichtig und unverzichtbar, daß sie jederzeit und ohne Überweisung direkt zum Facharzt gehen können. 67 Prozent der Versicherten erklärten, daß ihnen dieses Recht "besonders wichtig" oder "wichtig" ist. 61 Prozent wären gegen ein System, das den Hausarzt als "Lotsen" definiert, wenn dadurch gleichzeitig der direkte Zugang zum Facharzt und dessen freie Auswahl eingeschränkt würde.
Allgemeinarzt gefragt
Wichtig für den Versicherten und Patienten ist es auch, eine vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung aufbauen und vertiefen zu können. Dazu zählen die Befragten die Möglichkeit, jederzeit eine zweite Meinung bei einem anderen Arzt einholen zu können ("wichtig": 87 Prozent), die Chance, jederzeit den Arzt zu wechseln ("wichtig": 83 Prozent), und die Freiheit, jederzeit einen anderen Hausarzt zu wählen ("wichtig": 69 Prozent). Immerhin 76 Prozent verstehen unter "freier Arztwahl" die Möglichkeit, jederzeit ohne Überweisung direkt zum Facharzt zu gehen ("wichtig": 67 Prozent). Auch die Behandlung im Krankenhaus ohne ärztliche Überweisung oder Einweisung fällt noch für 65 Prozent der Erwachsenen unter freie Arztwahl ("wichtig": 58 Prozent).
66 Prozent der Befragten halten es für sinnvoll, zunächst einen Allgemeinarzt als festen Ansprechpartner aufzusuchen. Diese Quote beträgt bei Versicherten mit relativ geringem Einkommen und niedriger Schulbildung 83 Prozent, in der Gruppe mit relativ hohem Einkommen und überdurchschnittlichem Bildungsgrad dagegen 53 Prozent. Allerdings ist der Hausarzt für die Mehrheit der Bevölkerung keineswegs immer die erste Anlaufstelle im Erkrankungsfall. 73 Prozent derjenigen, die erklärt haben, einen Hausarzt zu haben, gingen in den vergangenen zwölf Monaten ohne Überweisung ihres Hausarztes zum Facharzt. Lediglich 13 Prozent dieser Gruppe suchten den Facharzt in der Regel nur mit einer Überweisung des Hausarztes auf.
Auch bei fachärztlicher Behandlung ist 79 Prozent der Befragten das persönliche Verhältnis zum Arzt so wichtig, daß sie möglichst nur von einem bestimmten, frei gewählten Arzt betreut werden möchten. Dr. Harald Clade
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