ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2014Forschungsförderung: Wettbewerb hebt das Niveau
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. . . Die aufgrund spezifischer genetischer Marker individuell angepasste Therapie ist zweifelsohne ein Fortschritt in der Therapie bösartiger Erkrankungen. Allerdings sind bisher nur relativ wenige Marker in ihrer Bedeutung hinreichend geklärt, zahlreiche andere müssen noch weiter erforscht werden.

Es ist deshalb begrüßenswert, wenn das Land NRW die wissenschaftlichen Aktivitäten in diesem Bereich fördert. Allerdings kann nicht unwidersprochen bleiben, dass die komplette molekulargenetische/molekularpathologische Diagnostik in diesem Bereich auf wenige Einrichtungen konzentriert werden soll. In Deutschland ermöglicht der Wettbewerb der verschiedener Institutionen im Idealfall regelmäßige Innovationen und eine den Strukturen angepasste Patientenversorgung.

Darüber hinaus hat sich gerade in der Genetik gezeigt, dass das bisher hohe Niveau genetischer Diagnostik nur möglich ist, weil zwischen den Laboren ein Wettbewerb bestand. Gerade für die Molekularpathologie muss eine effektive Qualitätssicherung noch entwickelt werden und in die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen aufgenommen werden.

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Eine Konzentration auf wenige Anbieter wird dazu führen, dass keine gemeinsamen Qualitätsrichtlinien entwickelt werden können, was letztlich nicht dem Patientenwohl dienen wird. Erste Ergebnisse molekularpathologischer Ringversuche unterstreichen aber die Bedeutung solcher Richtlinien . . .

Im Falle des hier diskutierten Lungenkarzinoms geht es um die Regelversorgung Zehntausender Fälle pro Jahr. Eine zügige molekularpathologische Diagnostik der Karzinome ist essenziell, um den Patienten überhaupt den Vorteil einer zielgerichteten Therapie zu ermöglichen. Bereits jetzt bestehen jedoch in der molekularpathologischen Diagnostik einiger „Knotenpunkte“ mehrwöchige Wartezeiten für diese vom Behandler dringend erwarteten Befunde. Die Raten für verordnungsrelevante molekularpathologische Tests beim Lungenkarzinom liegen aktuell deutschlandweit bei circa 35 bis 70 Prozent.

Unter diesen Gesichtspunkten sollte eine flächendeckende, von qualifizierten Fachärzten durchgeführte, molekularpathologische Diagnostik therapierelevanter Biomarker das Versorgungsziel sein und von den Krankenkassen und den Ländern unterstützt werden . . .

Dr. med. Nicolai Kohlschmidt, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Humangenetiker (BVDH) e.V., 53111 Bonn

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