ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2014Börsebius: Sollbruchstelle (I)

GELDANLAGE

Börsebius: Sollbruchstelle (I)

Dtsch Arztebl 2014; 111(26): A-1222 / B-1054 / C-998

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Beginn der Geschichte, die ich Ihnen heute erzähle, liegt fast schon dreißig Jahre zurück. Weil mir als pubertierender Bengel die Friedrichshafener Stadtmeisterschaft im Kickerfußball und Billard wichtiger war als das schnöde Lernen, wozu das alles, musste ich dann halt später zur Abendschule tigern und dort das bislang Versäumte nachholen. Hart war´s, aber Spaß machte es gleichwohl.

Während des Studiums habe ich mich neben BWL und VWL dann auch direkt auf Bank- und Börsenwesen konzentriert und hatte schnell eine – wie ich fand – pfiffige Idee. Ich kaufte mir ein Jahr lang jede Woche vier Wirtschaftszeitungen mit der Überlegung, wenn ich mich bloß nach den dortigen Aktienempfehlungen richtete, wäre ich auf dem richtigen Pfad zum schneller reich werden als andere. Da ich aber als badischer Bauernbub doch auch ein wenig misstrauisch war, holte ich mir erst mal Millimeterpapier und pinselte monatelang die Ergebnisse der Kaufempfehlungen in wunderschöne Grafiken und prächtig oszillierende Kursverläufe.

Am Ende der Aktion stellte ich mit Verblüffung fest, dass sich im Zeitverlauf 90 Prozent aller Kauftipps als Niete entpuppten. Die Zeitungen habe ich dann alle angeschrieben und gefragt, wie das sein könne. Bloß, Antwort gab es von keiner. Lediglich bei einem Wirtschaftsmagazin, dessen Namen ich verschweige, weil die Peinlichkeit doch zu groß wäre, schrieb der Herausgeber Monate später in seinem Editorial, dass sich der Student Rombach mit der Güte von Aktienprognosen beschäftigt und sein Haus einen hervorragenden dritten Platz belegt habe. Selbstredend ohne zu erwähnen, dass die Studie nur vier Zeitschriften umfasste.

Anzeige

Diese Erfahrung hat mich mein Börsianerleben geprägt, nebst journalistischem Misstrauen, nicht alles zu glauben und erst mal die Sachen zu prüfen. Das endete mit der Gewissheit, dass derjenige, der Erfolg an der Börse haben will, von anderen Faktoren ausgehen muss, als von den allgemein zugänglichen und vermeintlich sicheren. Davon will ich Ihnen in der nächsten Kolumne berichten.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 5. Juli 2014 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenfreie Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.