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Dass nur fünf Prozent aller Studierenden das Berufsziel Allgemeinmediziner/Hausarzt anstreben, ist nicht überraschend, nicht neu und zugleich katastrophal. Auch zu meiner Studentenzeit Ende der 90er Jahre gab es nur wenige Kommilitonen, die vom Leben als Landarzt träumten oder die elterliche Hausarztpraxis übernehmen wollten. Welcher junge Arzt wählt schon ein Fachgebiet ohne klinische Karrieremöglichkeiten, mit dem man zunächst Hausbesuche, Bagatellerkrankungen, Formulare, „Alternativ“-Medizin und geringen Verdienst assoziiert? „Lotse“ im Gesundheitssystem will sich keiner nennen lassen – lieber will man das Schiff selbst steuern und Kapitän werden. Chirurg, Orthopäde, Fach-Internist und Anästhesist waren und sind die häufigsten Berufsziele. Dass die berufliche Realität als Klinikarzt/Facharzt später gar nicht nur positiv und die des Allgemeinarztes in Niederlassung gar nicht so negativ aussieht, steht auf einem anderen Blatt. Leider haben in den vergangenen Jahrzehnten weder Gesundheitspolitiker noch ärztliche Standesvertreter bewirken können oder wollen, dass die Allgemeinmedizin trotz ihres hohen Potenzials für junge Ärzte attraktiv wird, zum Beispiel mit einem klaren Bekenntnis zu einem Primärarztsystem in Deutschland, Verdienstmöglichkeiten analog zu allen Gebietsärzten und bessere Rahmenbedingungen für ein selbstbewusstes Auftreten der Allgemeinmedizin an den Universitäten auf Augenhöhe mit den anderen Fachdisziplinen. Auch eine weiterhin sehr anspruchsvolle Weiter­bildungs­ordnung mit obligaten chirurgischen, pädiatrischen und akutmedizinischen Ausbildungsinhalten neben Innerer Medizin kann langfristig bestimmt mehr zur Akzeptanz und Attraktivität des Faches und damit zur Nachwuchsgewinnung beitragen als ein „Crashkurs Hausarztmedizin“ bei wechselwilligen Kollegen anderer Fachrichtungen. Die Aussage unseres Ge­sund­heits­mi­nis­ters, dass „wir Hausärzte für die medizinische Versorgung in der Fläche brauchen“ mag sachlich richtig sein, klingt aber wenig verlockend für den ärztlichen Nachwuchs. Wie viele junge Ärzte möchten „Grundversorger auf dem Land“ sein, auch wenn diese wichtige, effiziente und hochwertige Medizin machen? Auch über die Nomenklatur muss hier nachgedacht werden: Ist der traditionelle Begriff „Hausarzt“ noch sinnvoll und zeitgemäß? Trümpfe wie patientenorientierte, maßvolle Medizin mit hohem Vertrauensfaktor, hoher Patientenzufriedenheit und Effizienz (geringer ökonomischer Aufwand bei hohem medizinischen Nutzen) muss die Allgemeinmedizin viel mehr für sich nutzen und sich parallel zu einem zentralen, universitären, wissenschaftlich lebendigen Fach weiterentwickeln. Lediglich als rustikale Basisversorgung zur Kostendämpfung wird die Allgemeinmedizin für keinen jungen Arzt attraktiv sein.

Dr. med. Ulrich Wüllenkemper, 14482 Potsdam

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