ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2014Therapie der Polycythaemia Vera: Ruxolitinib erweist sich als effektiv

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Therapie der Polycythaemia Vera: Ruxolitinib erweist sich als effektiv

Dtsch Arztebl 2014; 111(26): A-1221

Siegmund-Schultze, Nicola

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Bei der 50. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago sind die Daten einer randomisierten Phase-III-Studie vorgestellt worden: Der JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib verbessert den Krankheitsverlauf und ist gut verträglich.

Die Polycythaemia vera (PV) gehört zusammen mit der essenziellen Thrombozythämie (ET) und der primären Myelofibrose zu den chronischen myeloproliferativen Neoplasien. Eine progrediente und irreversible Überproduktion von Blutzellen erhöht Hämatokrit und Blutviskosität mit der Folge von Mikrozirkulationsstörungen und einem erhöhten Risiko für thromboembolische Ereignisse. Bei 94 Prozent der Patienten mit PV finden sich JAK2V617F-Genmutationen, die zu einem Aminosäureaustausch in der Januskinase (JAK) 2 von Stammzellen und einer erhöhten Teilungsrate führen. Die progrediente Spätphase ist charakterisiert durch eine sekundäre Markfibrose mit extramedullärer Hämatopoese und Splenomegalie. Die Rate für kardiovaskuläre Ereignisse, wie Myokardinfarkt, Schlaganfall und Embolien, ist bei einem Hämatokrit > 45 Prozent im Vergleich zu < 45 Prozent um fast das Vierfache (Faktor 3,9) erhöht.

Phlebotomie und Acetylsalizylsäure sind Standardtherapien bei niedrigem Risiko, bei erhöhtem Risiko kommen Hydroxyurea und Interferon alfa hinzu. Ein Teil der Patienten aber verträgt die Therapie nicht oder entwickelt Resistenzen.

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Mit der Beschreibung der JAK2V617F-Mutation im Jahr 2005 ist nicht nur die Basis für eine raschere Diagnose, sondern auch für eine zielgerichtete Behandlung geschaffen worden (ASCO Educational Book 2013; 301–5). Bei der diesjährigen Jahrestagung der ASCO sind nun erstmals Daten der RESPONSE-Studie* vorgestellt worden, der ersten prospektiven, randomisierten Studie (open-label) mit dem oralen JAK1/2-Inhibitor Ruxolitinib (# LB 7026). Ruxolitinib (Jakavi® von Novartis) ist seit 2012 EU-weit für die Behandlung der primären Myelofibrose bei krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen zugelassen. In die RESPONSE-Studie sind 202 Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Hydoxyurea oder Unverträglichkeit, der Notwendigkeit von Phlebotomien und mit dem Symptom Splenomegalie aufgenommen worden. Eine Gruppe erhielt zweimal täglich (bid) 10 mg Ruxolitinib (n = 110; Titration bis 25 mg bid), die zweite Gruppe bestmögliche Therapie ohne Ruxolitinib (n = 112; BAT). Eine erste Auswertung erfolgte nach 32 Wochen.

Vermindertes Milzvolumen, verringerte Phlebotomierate

Der primäre Endpunkt war ein Hämatokrit < 45 Prozent ohne Aderlass (Woche 8–32) und eine Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35 Prozent nach 32 Wochen. Sekundäre Endpunkte waren Verträglichkeit und Lebensqualität.

77 Prozent im Ruxolitinib-Arm erreichten mindestens eine Komponente des primären Endpunktes, aber nur 21 Prozent der Vergleichsgruppe, berichtete der Erstautor der Studie, Dr. PhD Srdan Verstovsek vom MD Anderson Cancer Center in Houston, Texas. Bei 21 Prozent im Ruxolitinib-Arm wurden beide Parameter des primären Endpunktes erreicht versus ein Prozent unter BAT (p < 0,001).

Bei 60 vs. 20 Prozent (Ruxolitinib vs. BAT) entsprach der Hämatokrit dem Zielwert. Und so war die Phlebotomie-Rate mit 62,4 Prozent bei BAT circa dreimal so hoch wie unter Ruxolitinib (19,8 %). Nur 2,8 Prozent der Ruxolitinib-behandelten Patienten benötigten mindestens drei Aderlässe, aber 20,2 Prozent unter BAT. Auch bei der Splenomegalie gab es deutliche statistisch signifikante Unterschiede: Bei 38 versus 1 Prozent (Ruxolitinib vs. BAT) wurde eine Reduktion des Milzvolumens (≥ 35 %) festgestellt.

Bei 49 Prozent der mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor behandelten Patienten wurden belastende Symptome, wie Juckreiz, Müdigkeit und Nachtschweiß, um mindestens 50 Prozent reduziert im Vergleich zu fünf Prozent unter BAT. „Die Sicherheit von Ruxolitinib war sehr gut“, erläuterte Verstovsek, Grad 3/4-Nebenwirkungen seien selten gewesen (< 6 %) und kontrollierbar.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

ASCO 2014 in Chicago; Oral presentation

*RESPONSE: Randomized Study of Efficacy and Safety in Polycythemia vera with JAK inhibitor Ruxolitinib versus best available care

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