ArchivDeutsches Ärzteblatt26/2014Orale Kontrazeptiva und venöse Thromboembolien: Geringes absolutes VTE-Risiko, aber weite Verbreitung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Orale Kontrazeptiva und venöse Thromboembolien: Geringes absolutes VTE-Risiko, aber weite Verbreitung

Dtsch Arztebl 2014; 111(26): A-1212 / B-1047 / C-989

Leinmüller, Renate

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Alle kombinierten oralen Kontrazeptiva (KOK) steigern das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) auf mindestens das Zweifache bis zum Sechsfachen. Es besteht eine Korrelation zur Art des Gestagens und der Dosis von Ethinylestradiol (EE2), wie die jüngste Metaanalyse bestätigt.

Die Inzidenz von VTE bei jungen Frauen ohne Pilleneinnahme ist mit 1,9 bis 3,7 pro 10 000 Frauenjahre niedrig. Die relative Risiko-Erhöhung durch die „Pille“ gewinnt jedoch deshalb an Gewicht, weil diese Form der Kontrazeption weit verbreitet ist. Die deutschen Behörden haben unlängst mit einem „Rote-Hand-Brief“ reagiert.

Dieses gesteigerte VTE-Risiko ist seit langen Jahren bekannt. Niedrig dosierte Levonorgestrel-Präparate erhöhen das Risiko im Vergleich am wenigsten. Zu diesem Ergebnis kommt auch die jüngste Metaanalyse, in die 26 Studien eingingen. Im Vergleich lag das relative Risiko bei KOK mit 30–35 µg EE2 und Gestoden, Desogestrel, Cyproteronacetat oder Drospirenon um 50 bis 80 Prozent höher. Bestätigt hat sich auch der Einfluss der Estrogendosis: Je höher, desto höher die VTE-Gefahr.

Relatives Risiko für tiefe venöse Thrombosen bei Verordnung von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten
Relatives Risiko für tiefe venöse Thrombosen bei Verordnung von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten
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Relatives Risiko für tiefe venöse Thrombosen bei Verordnung von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten

Fazit: Aus den Daten leiten die Studienautoren die Empfehlung ab, bei der Verschreibung der Pille kombinierte Präparate mit der niedrigsten möglichen Dosis von Ethinylestradiol und der „besten compliance“ zu wählen: 30 µg EE2 mit Levonorgestrel (LNG). Sie raten gleichzeitig von der gängigen Praxis ab, bei Spottings auf die 50 µg EE2-LNG-Pille umzustellen: Dadurch werde das VTE-Risiko erheblich erhöht.

Dieser Empfehlung schließt sich Prof. Dr. med. Michael Ludwig, Hamburg, an: Das Thromboserisiko werde in erster Linie durch die systemische Ethinylestradiolgabe bzw. die orale Estradiolgabe bestimmt. Orale Gestagen-Mono-Präparate – mit Ausnahme von Norethisteronacetat – und die Gestagenkomponente in den kombinierten Kontrazeptiva dagegen erhöhen dieses Risiko gar nicht oder nur marginal. Ein erheblicher Teil des aktuell in einigen Studien erkennbaren Unterschieds zwischen den Gestagenkomponenten sei vermutlich Folge eines Selektionsbias.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Stegeman B, et al.: Different combined oral contraceptives and the risk of venous thrombosis: systematic review and network meta-analysis. BMJ 2013; 347: f5298 DOI: 10.1136/bmj.f5298.

Relatives Risiko für tiefe venöse Thrombosen bei Verordnung von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten
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Relatives Risiko für tiefe venöse Thrombosen bei Verordnung von Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparaten

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