ArchivDeutsches Ärzteblatt21/1996Lohnnebenkosten: Gesunder Standort

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Lohnnebenkosten: Gesunder Standort

Maus, Josef

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LNSLNS Wenn es um Einsparungen zur Senkung der Lohnnebenkosten geht, rückt die gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung stets ins Blickfeld der Politik. Lohnnebenkosten, das weiß man inzwischen, müssen gesenkt werden, um einerseits neue Arbeitsplätze schaffen zu können und andererseits den "Standort Deutschland" in die Zukunft zu retten. Die Rechnung der Bonner Nothelfer ist einfach und klingt auch einleuchtend: Je geringer der Krankenkassenbeitrag von Arbeitnehmern und Arbeitge-bern (!), desto niedriger die Lohnnebenkosten. Stimmt!
Stellt sich nur die Frage, ob hier nicht der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Wie die Beratungsgesellschaft für angewandte Systemforschung (BASYS) kürzlich berichtete, ist die Zahl der sozial­ver­sicherungs­pflichtigen Arbeitnehmer im Gesundheitswesen in den letzten 15 Jahren in Westdeutschland von 997 000 auf 1,5 Millionen gestiegen. Hinzu kommen die Selbständigen und geringfügig Beschäftigten, so daß die Gesamtzahl der Arbeitsplätze noch sehr viel höher liegt. In den neuen Bundesländern sind rund 300 000 Arbeitnehmer im Gesundheitswesen tätig.
Das Gesundheitswesen (West) hat inzwischen einen Beschäftigungsanteil von 7 Prozent, 1980 waren es noch 4,7 Prozent. Bemerkenswert ist darüber hinaus, daß der Anteil der GKV-Sachleistungen am Bruttoinlandsprodukt sich im selben Zeitraum lediglich von 5,2 auf 5,5 Prozent erhöht hat. Mit anderen Worten: Die Beschäftigungszuwächse im Gesundheitswesen sind mit unterdurchschnittlichen Einkommenszuwächsen erzielt worden.
Vor diesem Hintergrund sollten sich die Bonner "Wirtschaftsförderer" ernsthaft fragen, ob bei erneuter Verknappung der GKV-Finanzmittel nicht mehr Arbeitsplätze im Gesundheitswesen verlorengehen, als in anderen Branchen geschaffen werden. Dies gilt um so mehr, als man über den tatsächlichen Einfluß der Kran­ken­ver­siche­rungsbeiträge auf die absolute Höhe der Lohnnebenkosten und der damit verbundenen Folgen trefflich streiten kann.
Arbeitsmarktpolitisch ist die Maßnahme fragwürdig, gesundheitspolitisch fatal. Wer will schon einen "gesunden" Standort mit kranken Menschen? Josef Maus
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