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Studierenden-Kampagne: Option Niederlassung

Medizin studieren, 3/2014: 7

Richter-Kuhlmann, Eva

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Fotos: KBV
Fotos: KBV

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung weist auf die guten Zukunftsperspektiven im ambulanten Bereich hin.

Während ihrer Schulzeit wollte Anna Kapis nicht Medizin studieren – wegen des Klischees, dass aus Arztkindern immer Ärzte werden, sagt sie. Also belegte sie Medien- und Kommunikationswissenschaft, arbeitete aber parallel in der Pflege. „Die Medizin hat mich einfach nicht losgelassen“, erklärt die junge Frau, die jetzt im fünften Semester im Berliner Modellstudiengang Medizin studiert, gegenüber Medizin Studieren. Mit dabei war sie beim Fotoshooting für die neue Kampagne der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) „Lass dich nieder!“.

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Kapis’ Traum: Sie möchte Hausärztin werden, genau wie ihre Mutter. Sie möchte eine eigene Praxis haben, sie möchte die Räume, in denen sie arbeitet, selbst gestalten und ihre Patienten nicht nur für einige Tage, sondern über einen längeren Zeitraum betreuen. „Als niedergelassene Allgemeinärztin habe ich all diese Möglichkeiten, gute Berufsperspektiven und flache Hierarchien“, resümiert sie. Als sie von der KBV-Nachwuchsoffensive hörte, fühlte sie sich sogleich angesprochen und bewarb sich in einem Casting als Fotomodell – mit Erfolg.

Zu Beginn des Wintersemesters werden in Mensen und Cafés Kaffeebecher mit den Kampagnenstatements verteilt. Zugleich liegen Edgar-Cards in universitätsnahen Bars, Restaurants und Cafés aus.
Zu Beginn des Wintersemesters werden in Mensen und Cafés Kaffeebecher mit den Kampagnenstatements verteilt. Zugleich liegen Edgar-Cards in universitätsnahen Bars, Restaurants und Cafés aus.

Nun gehört Kapis zu den Medizinstudierenden, die derzeit und in einer zweiten Welle im Herbst der KBV-Kampagne „Lass dich nieder!“ auf Großflächenplakaten, Litfaßsäulen und Flyern ein Gesicht geben. Verbunden sind die Fotos der Studierenden mit einer Aussage, die jeweils zu ihnen passt. Unter dem Slogan „Morgens Doktor, abends Spiele“ weist beispielsweise Kapis auf die guten Möglichkeiten im ambulanten Bereich hin, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren.

Zu sehen sein werden die Motive mit den Medizinstudierenden besonders rund um die 37 medizinischen Fakultäten in Deutschland. Zudem werden einige Studierende in nächster Zeit auf ihrem Fahrradsattel Bezüge mit der Aufschrift „Lass Dich nieder! finden. Denn das Ziel der KBV und der KVen ist es, anknüpfend an die Kampagne „Wir arbeiten für Ihr Leben gern“, jetzt konkret Nachwuchsmediziner anzusprechen und für die Arbeit in der Niederlassung zu begeistern. Sie sollen sich mit dem Thema Niederlassung beschäftigen und sich für die eigene Praxis oder die Arbeit als angestellter Arzt im Praxisteam entscheiden und so dem Mangel an niedergelassenen Ärzten, insbesondere bei den Haus-, Augen- und Frauenärzten, entgegenwirken. Dabei führt die KBV fünf Gründe an, warum sich eine Niederlassung lohnt:

 Der eigene Chef: In der eigenen Praxis bestimmt man selbst, welche Schwerpunkte man setzt und wie man die Arbeit organisiert.

 Arbeiten im Team: Bei kniffeligen Diagnosen kann man trotzdem Kollegen zurate ziehen.

 Work-Life-Balance: Als Praxisinhaber bestimmt man selbst, wann und wie viel man arbeitet und wann man Urlaub macht.

 Selbstständig oder angestellt: Wer sich nicht mit einer eigenen Praxis selbstständig machen möchte, kann sich auch in einer Praxis oder einem Medizinischen Versorgungszentrum anstellen lassen.

 Enge Bindung an die Patienten: Man betreut seine Patienten meist über Jahre und kann eine gute Arzt-Patienten-Beziehung aufbauen.

Dass es in der Tat notwendig ist, Medizinstudierende auf die Option der Niederlassung aufmerksam zu machen, findet auch Felix Schmidt, Medizinstudent im zwölften Semester in Berlin. An der neuen Kampagne nahm er gern teil, denn sie packt für ihn das Problem an der Wurzel: „Man muss sich erstmal mit der Option Niederlassung beschäftigen“, sagt er. „Zu Beginn des Studiums kam für mich eine Niederlassung auch nicht infrage.“ Das änderte sich jedoch durch eine Famulatur: „Da hat es mich total gepackt und nicht mehr losgelassen.“

Mittlerweile kann sich Schmidt sehr gut mit den niedergelassenen Ärzten identifizieren. Bereits seit zwei Jahren arbeitet er in einer internistischen Schwerpunktpraxis für Suchtkranke und HIV-Infizierte in Berlin-Kreuzberg und ist fasziniert, wie sein Mentor Dr. med. Hubert Schulbin es schafft, seinen zeitintensiven und teilweise schwierigen Patienten so viel Wärme und Kompetenz entgegenzubringen. „Ich will so arbeiten wie er“, sagt er.

Um Studierende und junge Ärzte in einem solchen Wunsch zu unterstützen, geht ab sofort auch das Portal www.lass-dich-nieder.de online. Dort finden Nachwuchsärzte Anregungen, Praxisbeispiele und Tipps für den eigenen Weg in die Niederlassung sowie geeignete Ansprechpartner. Die Website informiert aber auch über das deutsche Gesundheitssystem und weitergehende Beratungsangebote der KBV und der KVen und soll als bundesweit erste Anlaufstelle für Nachwuchsmediziner mit Fragen zur Niederlassung kontinuierlich ausgebaut werden. Unterhaltsame Formate wie ein Quiz, Videos und Infografiken runden das Angebot ab.

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