ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Kritische Ergänzungen notwendig
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In Stuttgart haben sich Kliniker und ambulante Versorger in einer Initiative zur Verbesserung der Versorgung traumatisierter Menschen zusammengefunden, weil Traumafolgestörungen in der Basis-Gesundheitsversorgung noch übersehen und nicht traumasensibel therapiert werden. Der Artikel ist begrüßenswert, aber kritisch zu ergänzen:

  • Sie warnen in Ihrem Artikel vor einer Inflation des Traumabegriffs, verkürzen diesen aber auf „außergewöhnliche, (potenziell) lebensbedrohliche beziehungsweise mit schweren Verletzungen einhergehende äußere Ereignisse..“. Dagegen wird das zugrunde liegende Trauma in der S3-Leitlinie Posttraumatische Belastungsstörung umfassender formuliert als „... Folgereaktion eines oder mehrerer traumatischer Ereignisse wie zum Beispiel Erleben von körperlicher und sexualisierter Gewalt, auch in der Kindheit ..., Vergewaltigung, gewalttätige Angriffe auf die eigene Person ...“ (es folgt die Aufzählung traumatisierender Situationen ) „die an der eigenen Person, aber auch an fremden Personen erlebt werden können. In vielen Fällen kommt es zum Gefühl von Hilflosigkeit und ... zu einer Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses.“ Nicht nur Todesdrohung und schwere körperliche Verletzung, sondern auch sexualisierte Gewalt und das Miterleben dieser traumatisierenden Erfahrungen können zur PTBS führen. Das DSM-V führt sogar Berichte über derartige Erfahrungen aus erster Hand als auslösendes Trauma an. Nicht angeführt wird leider Vernachlässigung und psychische Gewalt in der Kindheit.
  • Im Artikel wird nicht deutlich, dass SSRI hilfreich zur Behandlung begleitender Depressionen sein können, aber nur in Kombination mit einer traumaspezifischen Psychotherapie.
  • Auch die psychodynamisch-imaginative Traumatherapie erweist sich – vor allem bei komplexen Traumafolgestörungen – als erfolgreich. Zur Beurteilung der Therapiewirksamkeit sollten Kriterien erarbeitet werden, welche Therapie bei welcher Symptomkonstellation am wirksamsten ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0488b

Dr. Gabriele Weigel

Ärztin für Neurologie und Psychiatrie, Stuttgart, dr.g.weigel@web.de

Interessenkonflikt

Die Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Guido Flatten (eds.): Posttraumatische Belastungsstörung. Leitlinie und Quellentext. Stuttgart: Schattauer Verlag, 2013.
2.
American Psychiatric Association: www.DSM5.org (last accessed on 23 May 2014)
3.
Luise Reddemann: Psychodynamisch imaginative Traumtherapie PITT – das Manual. 7th edition. Stuttgart, Klett-Cotta 2012.
4.
Frommberger U, Angenendt J, Berger M: Post-traumatic stress disorder—a diagnostic and therapeutic challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 59–65. VOLLTEXT
1.Guido Flatten (eds.): Posttraumatische Belastungsstörung. Leitlinie und Quellentext. Stuttgart: Schattauer Verlag, 2013.
2.American Psychiatric Association: www.DSM5.org (last accessed on 23 May 2014)
3.Luise Reddemann: Psychodynamisch imaginative Traumtherapie PITT – das Manual. 7th edition. Stuttgart, Klett-Cotta 2012.
4.Frommberger U, Angenendt J, Berger M: Post-traumatic stress disorder—a diagnostic and therapeutic challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 59–65. VOLLTEXT

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