ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Allenfalls Symptome beeinflussen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Der Hinweis auf die Gefahr einer „Überdiagnostik“ mit all den zum Teil beschriebenen Folgen ist zu unterstreichen, denn wie sind die Zahlen zu erklären, wenn 60 % der US-Bevölkerung zumindest ein traumatisches Ereignis (definiert als lebensbedrohlich) erlebt haben wollen.

Dass eine Übersichtsarbeit oberflächlich bleiben muss, ist unvermeidlich, allerdings bleiben wichtige Zusammenhänge unerwähnt. Die diagnostischen Kriterien und die beschriebenen Therapieverfahren gelten so nur für die „einfachen Traumatisierungen“ (Typ 1) und dann auch nur für Menschen, die ansonsten eher über eine gute psychische Stabilität verfügen. Oft haben wir es aber mit Menschen zu tun, die aus sehr problematischen familiären Verhältnissen kommen. Gerade in diesem Milieu kommt es nicht selten auch zu gewalttätigen und sexuellen Übergriffen, die dann insbesondere für die noch jungen Menschen zu schweren psychischen Störungen führen. Hierunter werden wohl viele der komorbid Erkrankten mit Persönlichkeitsstörungen (Borderline-PS), Sucht- und affektiven Erkrankungen, Somatisierungen aber auch Psychosen zu finden sein. Dabei sind hier Traumafolgesymptome oftmals schwer von der übrigen Psychopathologie abzugrenzen. Dementsprechend gelten andere therapeutische Konzepte, die eine Domäne der psychodynamischen Therapien sind und in der Regel langwierige und umfassende Behandlungsverläufe notwendig machen (1). Eine auf traumaspezifische Inhalte reduzierte Behandlung wäre hier kontraindiziert und womöglich massiv schädigend, auch wenn die monokausale Zuschreibung und das griffige Behandlungskonzept für Betroffene, Behandler wie auch die Öffentlichkeit inklusive Krankenkassen und Politik verlockend erscheinen.

Medikamente können zudem allenfalls Symptome beeinflussen, keine PTBS heilen.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0489a

Dr. med. Peter Brdiczka

Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

Porta Westfalica

mail@praxis-brdiczka.de

Interessenkonflikt

Der Autorin erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Sachse U: Traumazentrierte Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer 2004, 115–37.
2.
Frommberger U, Angenendt J, Berger M: Post-traumatic stress disorder—a diagnostic and therapeutic challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 59–65. VOLLTEXT
1.Sachse U: Traumazentrierte Psychotherapie. Stuttgart: Schattauer 2004, 115–37.
2.Frommberger U, Angenendt J, Berger M: Post-traumatic stress disorder—a diagnostic and therapeutic challenge. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 59–65. VOLLTEXT

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Anzeige