POLITIK

Frauenanteil Chirurgie: Frauen planen in Etappen

Dtsch Arztebl 2014; 111(27-28): A-1246 / B-1073 / C-1017

Protschka, Johanna

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In der Klinik für Allgemeine Chirurgie am Campus Lübeck sucht man nach Wegen, Ärztinnen das berufliche Vorankommen zu erleichtern.

Foto: picture alliance
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Die jüngste Ärztestatistik der Bundes­ärzte­kammer hat es noch einmal bestätigt: Der Anteil von Frauen im Fach Chirurgie ist im Vergleich zu anderen Fächern nicht gerade üppig. Von 33 621 Ärztinnen und Ärzten, die in einem chirurgischen Fach arbeiten (Orthopädie und Unfallchirurgie miteinbezogen; Stand 31.12.2013), sind lediglich 5 969 weiblich. Das sind etwa 18 Prozent. Beliebtere Fachgebiete bei Frauen sind demgegenüber Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie Anästhesiologie. Die Chirurgie gilt gemeinhin als ein sehr zeitintensives und daher familienunfreundliches Fach. Das ist insofern ein Problem, da in Paarbeziehungen Haushalt und Kinderbetreuung immer noch zum Großteil von den Frauen gestemmt werden.

Das lässt sich auch aus den Zahlen ableiten, die Prof. Dr. med. Hendrik van den Bussche im Rahmen einer Tagung Mitte Juni in Lübeck zum Thema Familie und Karriere in der Chirurgie vorstellte. Die KarMed Studie, die seit 2008 Karriereverläufe und Karrierebrüche von Ärztinnen und Ärzten während der fachärztlichen Weiterbildung abfragt, kommt unter anderem zu dem Ergebnis: Ärztinnen streben insbesondere in Westdeutschland häufiger eine Teilzeittätigkeit an. Ärztinnen mit Kind haben zudem seltener eine Promotion abgeschlossen und „begnügten“ sich eher mit einer Facharzttätigkeit. Demgegenüber strebten mehr Männer eine Oberarztposition an. „Aus unseren Daten kann man herauslesen, dass die Mehrzahl der Frauen schon während des praktischen Jahres (PJ) und zu Beginn der Weiterbildung Abstriche bezüglich des beruflichen Aufstiegs macht“, so van den Bussche. Umgekehrt zeigten die Daten auch, dass Ärzte mit Kindern sogar mehr Dienste leisteten als Ärzte ohne Kinder. Warum dies so ist, darüber lässt sich spekulieren.

Wiedereinstieg strukturieren

Um dem Frauenmangel, gerade in der Chirurgie, Abhilfe zu schaffen, hat die Klinik für Allgemeine Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, das von der EU geförderte Projekt FamSurg (family and surgery) durchgeführt. Angestoßen 2011, sollte FamSurg familienfreundliche Strukturen in der Chirurgie eruieren und fördern. Vor allem die Aspekte Arbeitszeitmodelle und Weiterbildungsmodalitäten sowie Kinderbetreuung und Karrieremöglichkeiten wurden in den Fokus gerückt.

Um einer sehr langen Weiterbildungszeit in der Chirurgie, bedingt durch Schwangerschaft, Kinderbetreuung und mangelnde Struktur, entgegenzuwirken, konnten die Projektmitarbeiter in Zusammenarbeit mit der Klinikleitung des UKSH Maßnahmen anregen, die unter anderem eine IT-Unterstützung bei einer Strukturierung der Weiterbildung vorsehen. „Das Implementieren von Dokumentationssoftware hilft sehr gut, genau zu erkennen, welche Eingriffe der Assistenzärztin noch fehlen und den Überblick zu behalten“, sagte Sarah Prediger, die im Projekt für die Weiterbildungsstrukturierung zuständig ist. Zu dem Maßnahmebündel gehören auch interne und externe Weiterbildungskurse, wie beispielsweise ein monatliches Laparoskopie-Training und die Nutzung von Onlineangeboten zur OP-Lehre, wie beispielsweise XOPE.

Wie wichtig flexible Arbeitszeitmodelle und eine variable Kinderbetreuung sind, betonte zudem die Personaldezernentin des UKSH, Claudia Haase. Klinikpersonaler sowie Ärztinnen, die nach einer Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen wollen, sollten sich nicht darauf versteifen, dass eine Teilzeitarbeit nur Montag bis Freitag von 8.00 bis 12.00 Uhr stattfinden könne. Prof. Dr. phil. Dorothee Alfermann, Projektleiterin der KarMed-Studie an der Universität Leipzig, zog den Schluss, dass Frauen generell vorsichtiger seien, was die Karriere anginge und eher in Etappen dächten. Nach dem PJ sagten nur wenige, sie wollten irgendwann Chefarzt werden. „Folgt nach der Weiterbildung eine Oberarztposition, könnten sich schon sehr viel mehr Frauen vorstellen, auch Chefarzt zu werden“, sagte Alfermann.

Johanna Protschka

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