ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Haftpflichtprämien: Was bedeutet Wahlfreiheit?
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ich freue mich sehr, dass Sie sich der Thematik der Hebammen und der Geburtshilfe in Deutschland sogleich auf Seite eins angenommen haben . . .

Doch in Ihrer Darstellung wird leider nicht deutlich, dass es sich nicht nur um wenige Eltern handelt, die bei einem Schwund der freien Hebammen betroffen sind . . . Ja, es finden wohl etwa 98 Prozent der Geburten in Deutschland in den Kliniken statt. Doch in bestimmten Bundesländern Deutschlands begleiten freiberufliche Hebammen bis zu 60 Prozent diese Geburten . . . Auch steigen die Haftpflichtprämien für Vor- und Nachsorge-Hebammen, deren Arbeit einen unschätzbaren Wert hat, in einem nicht zumutbaren Maße an. Wer versorgt also all die jungen Familien, wenn Herr Gröhe keine Lösung findet? Die Ärzteschaft in den Kreißsälen? Die Kollegen in ihren Niederlassungen und in den Rettungsstellen?! Ich glaube nicht, dass sie diese enormen Nachfragen stemmen können.

Die „hochemotionale“ Elternschaft, die sich für eine Wahlfreiheit in der Geburtshilfe einsetzt, ist bestens informiert: Im sogenannten Ternovsky-Urteil hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits 2010 entschieden, dass die europäischen Mitgliedstaaten unter Bezug auf Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention dazu verpflichtet sind, das Recht der Frauen auf die freie Wahl des Geburtsortes und der Geburtsbegleitung zu garantieren. Aber bedeutet Wahlfreiheit, überhaupt keine freie Hebamme zu finden – weder für die Vor- oder Nachsorge noch für eine individuelle Geburtsbegleitung? Heißt Wahlfreiheit, 50 bis 60 Kilometer zur nächsten Geburtsklinik zu fahren, ohne eine Alternative im näheren Umkreis zu haben? Nennt man es Wahlfreiheit, wenn der Kreißsaal überbelegt ist und man keine Hebamme an der Seite zur Geburt hat? Drückt es Wahlfreiheit aus, seinen Wohnort für Wochen zu verlassen, um in einem Hostel auf seine ersten Wehen zu warten? . . .

Anzeige

Christina Baris, Ärztin und zweifache Mutter, 13125 Berlin

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige