ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Randnotiz: Erschütterndes zum Kopfball

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Randnotiz: Erschütterndes zum Kopfball

Dtsch Arztebl 2014; 111(27-28): A-1229 / B-1061 / C-1005

Siegmund-Schultze, Nicola

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Mediziner können Miesepeter sein. Natürlich sollen sie wissenschaftliche Erkenntnisse über die Risiken von Mannschaftssportarten der Öffentlichkeit nicht vorenthalten. Aber etwas Fingerspitzengefühl beim Timing der Publikationen wäre schon wünschenswert.

Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien stand wenige Tage bevor, da veröffentlichte die Zeitschrift „JAMA“ eine Untersuchung, nach der bei jungen, durchschnittlich 21-jährigen Mannschaftsballsportlern das Volumen des Hippocampus kleiner war als bei einer gematchten Vergleichsgruppe, die keinen Mannschaftssport betrieb (JAMA 2014; 311: 1883–8). Auch die Reaktionszeiten differierten signifikant – zuungunsten der Ballsportler. Die Unterschiede zwischen den Gruppen waren noch größer, wenn es zu – auch nur leichten – Gehirnerschütterungen gekommen war. Erklärung der Autoren: Beim kompetitiven Mannschaftssport können nicht nur dadurch direkte Hirnschäden entstehen, indem der Kopf auf den Ball oder Gegenspieler prallt. Es werden zudem Stresshormone ausgeschüttet, die Nervengewebe im Gehirn zerstören.

Solche Berichte traumatisieren den Leser. Wer will da auf den so oft spielentscheidenden Körpereinsatz und die Kopfbälle hoffen in der WM? Es ist ja nicht die einzige Publikation in diese Richtung, es ist eine von vielen! Wie kürzlich die in „Radiology“ (2013; 268: 850–7): Kopfbälle verändern auch ohne Gehirnerschütterung die Mikrostruktur der weißen Substanz des Gehirns und können zu neurokognitiven Defiziten führen.

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Mario Götze, Mats Hummels – wohin mit ihren Kopfbällen? Ganz klar: Sie gehören ins Tor und nicht in die medizinischen Fachzeitschriften – wenigstens nicht zur WM!

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