ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Universitätsklinika: Die IT-Infrastruktur veraltet

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Universitätsklinika: Die IT-Infrastruktur veraltet

Dtsch Arztebl 2014; 111(27-28): A-1242 / B-1072 / C-1016

Krüger-Brand, Heike E.

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Die Universitätsklinika schlagen Alarm: Durch die anhaltende Unterfinanzierung fehle Geld für den Aufbau leistungsfähiger IT-Kapazitäten.

Die Medizin befindet sich in einem dramatischen Wandel: Durch die wissenschaftlichen und technologischen Fortschritte, etwa in der Bildverarbeitung oder Genomanalytik, und die zunehmende Vernetzung der Forschung fallen immer größere Datenmengen an, die verarbeitet werden müssen – Stichwort: Big Data. An vorderster Stelle stehen dabei die Einrichtungen der Hochschulmedizin als Innovationszentren, an denen diese enormen Datenmengen wissenschaftlich ausgewertet und mit medizinischen Fragen verknüpft werden, um sie für Diagnostik und Therapie verfügbar zu machen.

„Medizinischer Fortschritt braucht leistungsstarke IT-Lösungen“, überschreibt denn auch der Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) sein aktuelles Positionspapier zur IT-Infrastruktur. Doch die Realität hierzulande sieht anders aus: „Während die Informationstechnologie sich mit großer Dynamik entwickelt, stützen sich die medizinische Dokumentation und der Befund- und Bildaustausch zwischen den Einrichtungen im Gesundheitswesen in Deutschland in der Regel noch auf Krankenakten aus Papier.“ Das Potenzial der vorhandenen medizinischen Daten könne für die Forschung nicht ausreichend genutzt werden, und es fehle an einer nationalen IT-Strategie im Gesundheitswesen.

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Nach Schätzung des VUD hat derzeit jedes Uniklinikum einen ungedeckten Mehrbedarf von fünf bis zehn Millionen Euro jährlich für seine IT-Infrastruktur. Die Folge: „Die deutschen Uniklinika geraten mit ihrer IT-Ausstattung im internationalen Vergleich ins Hintertreffen.“ Die Entwicklung von speziell an die Anforderungen von Uniklinika angepassten IT-Systemen ist nicht nur aufwendig und teuer, sondern für die Industrie wegen des begrenzten Marktes zunehmend uninteressant. Hinzu kommen der Fachkräftemangel sowie eine veraltete, heterogene und fragmentierte IT-Landschaft, die eine sektoren- und einrichtungsübergreifende Vernetzung und den interdisziplinären Datenaustausch behindert.

Vor dem Hintergrund einer seit Jahren rückläufigen Investitionsquote der Länder fehlen den Uniklinika die Mittel zum Aufbau leistungsfähiger IT-Kapazitäten. „Die Grundausstattung für IT-Infrastruktur (Personalkosten, Software und Technik) muss dauerhaft auf mindestens vier Prozent des Umsatzes erhöht werden“, fordert der Verband. Aus eigener Kraft könne die Hochschulmedizin „angesichts anhaltender Unterfinanzierung in allen Bereichen“ dieses Ziel nicht erreichen. Bund, Länder und Krankenkassen werden daher aufgefordert, durch eine bessere finanzielle Ausstattung der Hochschulmedizin auch IT-Investitionen zu ermöglichen. Die „Road-Map IT“ des VUD sieht unter anderem vor:

  • zielgerichtete Förderprogramme des Bundes, etwa für Schlüsseltechnologien wie „Data Mining“, sowie Leuchtturmprojekte, etwa für die Implementierung telemedizinischer Verfahren oder den Ausbau des IT-gestützten Studiums
  • eine deutlich höhere Investitionsförderung für Forschung und Lehre sowie für die Krankenversorgung, etwa durch die Beteiligung des Bundes an der IT-Infrastruktur und den Einbezug der Krankenkassen in die Investitionsfinanzierung für den Bereich der Krankenversorgung
  • eine Anpassung der Grundausstattung der medizinischen Fakultäten an das heutige Potenzial der IT für Forschung und Lehre sowie eine Ausrichtung der Leistungsentgelte der Krankenkassen auf die steigende Bedeutung IT-gestützter Diagnostik und Therapie für die Krankenversorgung.

Heike E. Krüger-Brand

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