ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Zervixkarzinom-Vorsorge: Die Effizienz des HPV-Tests ist „überwältigend belegt“

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Zervixkarzinom-Vorsorge: Die Effizienz des HPV-Tests ist „überwältigend belegt“

Dtsch Arztebl 2014; 111(27-28): A-1266

Leinmüller, Renate

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Internationale Studien sprechen sich dafür aus, den molekularbiologischen Test bei allen Frauen zwischen 30 und 60 Jahren in fünfjährigen Intervallen vorzunehmen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat aktuell seine positive Bewertung des HPV-DNA-Tests zum Zervixkarzinom-Screening bestätigt. Der Umsetzung der EU-Vorgaben nach einem Screeningintervall von mindestens drei Jahren steht aus wissenschaftlicher Sicht nichts im Wege. Viele Kassen und zwei Berufsverbände verzögern eine zügige Umsetzung.

Mit der lang dauernden präkanzerösen Phase – mindestens sieben Jahre – bietet sich beim Zervixkarzinom breiter Raum für Früherkennung und Prävention. Für Prof. Dr. rer. nat. Herbert Pfister, Köln, ist die Effizienz des HPV-Tests „überwältigend belegt“: Er erfasst zu beinahe 100 Prozent eine HPV-Infektion mit Hochrisikotypen. Wie der Virologe ausführte, unterscheiden sich die verfügbaren DNA-Tests hinsichtlich der Zahl und der nachgewiesenen Hochrisiko(HR)-Virustypen. Der cobas® HPV-Test – im April als erster von der FDA für das Primärscreening zugelassen – ist hochautomatisiert. Er identifiziert alle 14 HR-HPV-Typen und weist zudem die aggressivsten (HPV 16 und 18) einzeln aus.

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In den USA empfehlen die Leitlinien den HPV-Test als alleinige Screeningmethode im Abstand von fünf Jahren als neuen Standard, in den Niederlanden wird er ab 2016 im Primärscreening eingeführt. Auch andere EU-Länder wie Großbritannien, Italien und Schweden bereiten eine Umstellung vor.

In Deutschland hat das IQWiG auf Basis aktueller Studienergebnisse die Hinweise für den Nutzen des HPV-Tests im Primärscreening bestätigt. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss prüft jetzt die Voraussetzungen für den Einsatz. Gleichzeitig wird eine S3-Leitlinie zur Prävention des Zervixkarzinoms erstellt, unter besonderer Berücksichtigung des HPV-Nachweises auch im Rahmen der Vorsorge. Sie soll Ende des Jahres vorgelegt werden. Der Nationale Krebsplan fordert darüber hinaus die Änderung der Vorsorge mit Anpassung an die EU-Vorgaben.

Zusätzliche Strategien

Aufgrund internationaler und umfangreicher eigener Studien sprach sich Prof. Dr. med. Karl Ulrich Petry aus Wolfsburg dafür aus, bei allen Frauen zwischen 30 und 60 Jahren einen HPV-Test in fünfjährigen Intervallen vorzunehmen. „Ein negatives Ergebnis ist gleichbedeutend mit einem Langzeitschutz, denn es schließt ein Zervixkarzinom über mindestens fünf Jahre aus.“

Ein positiver Test dagegen heiße nicht, dass sich in jedem Fall auch ein Karzinom entwickelt: Bis zum Stadium CIN3 ist eine spontane Remission möglich. Deshalb wurden zusätzliche Strategien entwickelt, um die Befunde abzuklären und Übertherapien zu vermeiden. Petry setzt beim Nachweis von HPV 16 und 18 vor der Kolposkopie zunehmend darauf, die Aktualität der Infektion abzuklären. Anstelle des Nachweises von mRNA der HR-Genotypen bevorzugt er den Doppelfärbungstest – eine Morphologie-unabhängige Markierung zur Beurteilung nicht eindeutiger oder auch unauffälliger Zytologien bei HR-HPV-positiven Frauen: Mit Hilfe zweier Biomarker (Proliferationsmarker Ki-67, indirekter HPV-Onkogen-Expressionsmarker p16ink4a) lassen sich gezielt Patientinnen mit dysplastischen Zellen identifizieren und einer Kolposkopie zuführen. Diese Untersuchung ist mit dem CINtec® Plus Test in den zytologischen Proben möglich.

Das klinisch validierte Portefolio des Unternehmens Roche wird komplettiert durch einen dritten Test, den CINtec® Histology. Er eignet sich, um die Kolposkopie-Proben präzise zu diagnostizieren (Nachweis p16ink4a), so Aribert Stief, Direktor Medical und Scientific Affairs bei der Roche Diagnostics Deutschland.

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Quelle: Pressekonferenz: „Zervixkarzinom-Vorsorge: Aktuelle Situation in Deutschland im internationalen Vergleich“ von Roche Pharma in Mannheim

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