ArchivDeutsches Ärzteblatt27-28/2014Apotheke der Zukunft: „Revierkampf“ programmiert

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Apotheke der Zukunft: „Revierkampf“ programmiert

Zylka-Menhorn, Vera

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Mit dem Perspektivpapier „Apotheke 2030“ hat die Mitgliederversammlung der ABDA-Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nach einjähriger Beratung die Ziele für die Weiterentwicklung des Apothekerberufs verabschiedet. Über das achtseitige Dokument mit den Themenschwerpunkten Qualifikation, Medikationsmanagement und Versorgungsstruktur soll der Deutsche Apothekertag im September in München abstimmen. Die Chancen für eine Zustimmung stünden gut, hieß es bei Vorstellung der Reformpläne in Berlin. Nach Ansicht von ABDA-Präsident Friedemann Schmid hätte man bei der Formulierung an manchen Stellen noch weiter gehen können – für die Ärzteschaft enthält das Reformpapier jedoch jetzt schon ausreichend Sprengstoff.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleiterin Medizinreport
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleiterin Medizinreport

Zwar hätten die Apotheker auch weiterhin nicht vor, in die Therapieentscheidung der Ärzte einzugreifen, aber „wir werden eine aktivere Rolle für die Sicherheit der Arzneimitteltherapie übernehmen“, so Schmid, der darunter mehr Verantwortung und mehr Verbindlichkeit versteht. Das Ziel sei, den Patienten dauerhaft an seinen Apotheker zu binden, „in etwa so wie an einen Arzt“, erklärte Schmidt. Die Neuausrichtung sei vor allem für chronisch Kranke interessant, die nach Terminvergabe in separaten Beratungszimmern mit ihrem Apotheker über Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen der vom Arzt verschriebenen Medikamente sprechen könnten. Auch Wiederholungsrezepte sollen in Zukunft in der Apotheke ausgestellt werden – ohne vorherigen Arztbesuch, aber mit einer finanziellen Vergütung. Nötig dafür sei – ähnlich wie bei der Ärzteschaft – eine Gebührentabelle, über die die neuen Leistungen abgerechnet werden könnten.

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Was als Entlastung für die Ärzte beschrieben wird, rüttelt an der traditionellen „Revieraufteilung“ im Gesundheitssystem. Das Perspektivpapier „Apotheke 2030“ ist in der Geschichte der ABDA zwar nicht der erste Vorstoß, das Image der circa 60 000 Apothekerinnen und Apotheker verbessern zu wollen, aber in seinem Anspruch der weitreichendste. Entstanden ist er wohl auf Basis der wachsenden Unzufriedenheit unter den Pharmazeuten: Der Boom des Online-Handels gepaart mit stark schwankenden Betriebsergebnissen respektive Apothekenschließungen sorgt für Unmut. Als Reaktion darauf haben viele Pharmazeuten das Warenangebot vergrößert. Nach den ABDA-Plänen soll die Apotheke der Zukunft jedoch nicht mehr als „Gesundheitskaufhaus“ wahrgenommen werden, sondern als ein Ort, wo sich Experten um die Arzneimittelsicherheit der Patienten kümmern.

Die Reaktion der Partner im Gesundheitswesen ließ nicht lange auf sich warten. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lehnt die Gebührenpläne der Pharmazeuten eindeutig ab: „Zu den Kernaufgaben eines Apothekers gehört die gute Beratung der Patienten, und dafür werden sie bereits heute gut bezahlt“, wird GKV-Sprecher Florian Lanz in der Tageszeitung „Die Welt“ zitiert.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. med. Andreas Gassen, betont, dass Apotheker und Ärzte vor Ort bereits gut zusammenarbeiten. Klar sei aber auch, „dass die Grenzen zu den Kernkompetenzen des jeweils anderen nicht aufgeweicht werden sollten“. ABDA-Präsident Schmid gibt sich davon unbeeindruckt: „Wir warten mit unserer Neuausrichtung nicht auf die Erlaubnis der Ärzte.“

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
Ressortleiterin Medizinreport

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