ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2014Psychologie und Psychotherapie: Von der Halbwertszeit des Wissens

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Psychologie und Psychotherapie: Von der Halbwertszeit des Wissens

PP 13, Ausgabe Juli 2014, Seite 313

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Amerikanische Psychologen um Greg Neimeyer von der University of Florida (USA) haben sich mit der Frage beschäftigt, wie schnell Wissen in den verschiedenen psychologischen Disziplinen veraltet. Sie baten 402 lizenzierte Psychologen aus allen Fachrichtungen um ihre Einschätzungen und kamen zu folgenden Ergebnissen: In einigen Disziplinen, wie etwa der klinischen Gesundheitspsychologie und in anderen klinischen Fächern, veraltet Wissen sehr schnell, nämlich innerhalb von sieben bis elf Jahren. In anderen Disziplinen, wie etwa der Psychoanalyse, bleibt der Wissensstand hingegen viele Jahre konstant (hier: 18 Jahre). Die Unterschiede ergeben sich unter anderem aus dem Ausmaß an Forschung in den einzelnen Disziplinen, aus finanziellen Mitteln und aus technischen Neuerungen. „Im Schnitt veraltet die Hälfte des Wissens im psychologischen und psychotherapeutischen Bereich alle elf Jahre“, sagen die Autoren. Nach Meinung der Befragten wird sich diese Tendenz in Zukunft noch verstärken. Beträgt die Halbwertszeit des Wissens in der klinischen Neuropsychologie zurzeit circa neun Jahre und in der klinischen Gesundheitspsychologie sieben Jahre, wird sie in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich auf sieben beziehungsweise fünf Jahre sinken. Dass Wissen immer schneller veraltet, ist nach Meinung der Autoren einerseits als Beweis für kontinuierlichen Fortschritt zu werten, andererseits als Gefahr, wenn der Wissenszuwachs nicht entsprechend weitergegeben und genutzt wird. Sie sehen eine große Herausforderung darin, angehenden und bereits berufstätigen Praktikern das sich ständig erneuernde Fachwissen ihrer jeweiligen Disziplin zeitnah zu vermitteln und es jeweils in Ausbildungscurricula, Therapiemanuale, Richtlinien und Interventionen einfließen zu lassen. ms

Neimeyer G, Rozensky R, Taylor J, Cox D: The diminishing durability of knowledge in professional psychology. Professional Psychology 2014; 45(2): 92–8.

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