ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2014Patientenversorgung: Betreuung spart Geld

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Patientenversorgung: Betreuung spart Geld

PP 13, Ausgabe Juli 2014, Seite 318

Osterloh, Falk

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Die mhplus BKK hat psychisch kranke Versicherte ein Jahr lang telefonisch betreut. Ergebnis: Die Zufriedenheit der Versicherten stieg und die Kosten sanken.

Telefonische Patientenbegleitung spart Gesundheitskosten. Das ist das Ergebnis der Evaluation eines zweijährigen Projektes, das die mhplus BKK am 12. Juni in Berlin vorgestellt hat. „Ziel des Projektes war die ganzheitliche Betreuung von Versicherten mit schwerwiegenden psychischen Erkrankungen“, erklärte der Vorstand der Kasse, Winfried Baumgärtner, auf einer Konferenz des BKK Dachverbandes. Dafür hätten fünf Mitarbeiterinnen die Versicherten am Telefon betreut.

„Die Versicherten bekamen Unterstützung bei der Organisation und Administration ihrer Behandlungen, zum Beispiel durch eine Vermittlung von Arztterminen, bei der Auswahl von Ärzten oder der Koordination der Arzneimitteleinnahmen“, sagte Baumgärtner. „Wir haben versucht, den Versicherten einen höchstmöglichen Grad an Informationen über ihre Behandlung zu geben.“ Die behandelnden Ärzte seien nicht vertraglich in das Projekt einbezogen gewesen. „Wir wollen nicht medizinisch tätig werden. Das ist nicht unsere Aufgabe“, so Baumgärtner. Mediziner in Projekte dieser Art nicht direkt mit einzubeziehen, wird dabei von manchen Ärzten kritisch gesehen.

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Die für das Projekt infrage gekommenen Versicherten wurden von der mhplus BKK angeschrieben und bei einem Assessment über die konkreten Behandlungsziele informiert. Dann wurde ein Betreuungsplan erstellt; das Projekt lief über zwölf Monate. „Nach Projektende haben wir sowohl die teilnehmenden Patienten als auch eine Kontrollgruppe nach ihrer Gesamtzufriedenheit mit ihrer Krankenkasse befragt“, sagte der Bereichsleiter „Versorgung & Gesundheitsökonomie“ der mhplus BKK, Dr. Oliver Gapp. „Zwischen beiden Gruppen gab es deutliche Unterschiede.“ So seien aus der Kontrollgruppe 20 Prozent der Befragten mit ihrer Kasse vollkommen zufrieden gewesen – bei den Projektteilnehmern seien es 36 Prozent gewesen.

„Und auch die Kosten sind gefallen“, erklärte Gapp. „Die Durchschnittskosten für die Versicherten in der Kontrollgruppe lagen nach einem Jahr bei 5 000 Euro – die Durchschnittskosten für die Versicherten in der Interventionsgruppe hingegen lagen bei 4 600 Euro.“ Zudem seien weniger Versicherte, die an dem Projekt teilgenommen haben, innerhalb eines Jahres wieder in ein Krankenhaus eingewiesen worden: Waren dies 45 Prozent in der Kontrollgruppe, lag die Rehospitalisierungsrate bei den Projektteilnehmern bei 29 Prozent. „Das hat uns schon sehr überraschend“, betonte Gapp. „Denn eigentlich machen wir mit unserer Hilfe über das Telefon Triviales – und das führt zu solchen Effekten!“

Wettbewerb um Qualität

„Es gibt eine Vielzahl von Projekten in Deutschland, aber wir haben keine Kultur, sie zu evaluieren und durch die Ergebnisse die Patientenversorgung zu verbessern“, erklärte der Vorstand des BKK Dachverbandes, Franz Knieps. Er betonte, dass die BKKen einen Kontrapunkt gegen einen Wettbewerb um Beitragszehntel setzten wollten: „Wir bekennen uns zu einem Wettbewerb um Qualität.“ Der Vorteil der BKKen sei dabei, dass sie flexibler und schneller seien als große Krankenkassen. Und sie trauten sich, mit Hilfe von Versorgungsforschern neue Wege zu gehen.

Falk Osterloh

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