ArchivDeutsches Ärzteblatt PP7/2014Sexualmedizin: Gelungene Gesamtbetrachtung

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Sexualmedizin: Gelungene Gesamtbetrachtung

PP 13, Ausgabe Juli 2014, Seite 329

Bühmann, Wolfgang

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Als zeitliche Ressource für die alltagsbegleitende Lektüre und Rezension dieses Buches hatte ich mir drei Wochen gesetzt: Selbst überrascht hat mich, dass sich diese Zeit auf zwei tagelange Zugreisen reduziert hat – obwohl natürlich als Sachbuch geplant, liest es sich im positiven Sinn wie ein Roman, ohne seine ebenso stringente Kompetenz als praxisrelevantes Weiter- und Fortbildungsmedium einzubüßen. Alle Arztgruppen, die professionell mit den Themen „Sexuelle Gesundheit und deren Störungen“ zu tun haben, also Hausärzte, Internisten, Gynäkologen, Urologen sowie Psychiater und Psychotherapeuten, finden darin eine klar strukturierte Systematik der sexuellen Entwicklung und Orientierung sowohl im psychischen als auch im somatischen Bereich mit Darstellung der Störungen, deren Diagnostik und Therapie.

Neben seiner Funktion als Grundlage initialer Annäherung an dieses Thema dient es auch dem bereits Erfahrenen bei den zahlreichen Zweifelsfällen im Praxisalltag als themenbezogenes Nachschlagewerk.

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Bereits im Vorwort weisen die Herausgeber deutlich den Weg der Sexualmedizin abseits objektiver, rein faktenorientierter Dogmen: „Sexualität war nie ein sicheres Terrain und wird es nie werden“ – gerade dadurch mag sich nicht selten ein Ohnmachtsgefühl bei denjenigen einstellen, die patientenorientiert therapeutisch damit konfrontiert werden.

Der Nestor deutscher Sexualmedizin, Volkmar Sigusch, stimmt auf die Kultur- und Generationsabhängigkeit sexueller Störungen und Probleme ein: Heute ist es durchaus möglich, dass eine Großmutter eine von ihrem Schwiegersohn befruchtete Eizelle ihrer Tochter austrägt und ihr eigenes Enkelkind entbindet – eine noch vor wenigen Dezennien undenkbare Dimension.

Die Bedeutung des Sexuallebens für die Gesamtgesundheit wird ebenso positiv thematisiert wie die irregeleiteten Träume nicht weniger Kollegen zur perfekten „Prothetisierung“ aller sexuellen Funktionen; ein Kapitel zur Begutachtung sexueller Störungen und deren Kriminalprognose schließt den Kreis zu einer gelungenen Gesamtbetrachtung.

Als seit mehr als 25 Jahren mit sexuell psychosomatisch symptomatischen Patienten befasster Urologe hätte ich dieses Buch bereits zu Beginn meiner Laufbahn gerne zur Hand gehabt, um mich nicht überwiegend autodidaktisch diesem hochinteressanten Themenbereich nähern zu müssen: Damit empfehle ich es allen Lesern zur Nutzung.

Wolfgang Bühmann

Peer Briken, Michael Berner (Hrsg.): Praxisbuch Sexuelle Störungen. Thieme, Stuttgart 2013, 304 Seiten, gebunden, 59,99 Euro

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