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Die Autoren empfehlen bei akuter Otitis media (AOM) binnen zweier Monate nach Insertion eines Cochlea-Implantates (CI) eine intravenöse Antibiotikatherapie. Bei länger zurückliegender Implantation empfehlen sie unter Verweis auf Rubin (1) eine empirische Therapie mit Amoxicillin und gegebenenfalls Clavulansäure. Da die Autoren keine weitergehenden Maßnahmen empfehlen, bedarf dies einer Ergänzung.

Rubin (1) empfiehlt unabhängig vom Zeitraum seit Implantation die Parazentese sowie mikrobiologische Aufarbeitung von Mittelohrsekret zur gezielten Therapie. Die Meningitis ist eine wesentliche Komplikation der AOM bei CI-Trägern (1, 2). So geht Rubin bei der Empfehlung, über zwei Monate nach Implantation eine AOM oral antibiotisch zu therapieren (zusätzlich zur Parazentese!), davon aus, dass vor CI-Insertion meningitis-protektive Impfungen vorgenommen wurden. Rubin führt zusätzlich zur 7-valenten Pneumokokken-Schutzimpfung die 13-valente bei allen Kindern und eine 23-valente Impfung bei älteren Kindern an, weiterhin die Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae, welche auch alle mit dem CI-Träger zusammenlebenden Personen erhalten sollten. Diese Impfungen können das Risiko der Meningitis durch H. influenzae oder Pneumokokken, welche zu den häufigsten Erregern der AOM zählen, drastisch reduzieren. Lalwani (2) empfiehlt, da der 23-valente Pneumokokken-Impfschutz nur bei 56 % der Patienten vorliege, bei AOM eine Parazentese und mikrobiologische Sekretanalyse zu Beginn der Antibiotikatherapie. Bei Betrachtung der Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (3) ist bei in Deutschland lebenden Patienten das Vorliegen der Rubins sowie Lalwanis Empfehlungen zugrundeliegenden Impfungen nicht anzunehmen. Dazu kommt das Risiko einer Implantat-Infektion (1) mit Biofilmbildung und potenzieller Notwendigkeit einer Implantatentfernung. Umso dringender ist es, eine über die orale Antibiotikatherapie hinausgehende intravenöse Therapie der AOM sowie eine Parazentese ernsthaft zu prüfen und möglichst vorzunehmen.

DOI: 10.3238/arztebl.2014.0545a

Prof. Dr. med. Antje Aschendorff

Implant Centrum Freiburg

Prof. Dr. med. Wolfgang Maier

Univ.-HNO-Klinik Freiburg

wolfgang.maier@uniklinik-freiburg.de

1.
Rubin LG: Prevention and treatment of meningitis and acute otitis media in children with cochlear implants. Otol Neurotol 2012, 31: 1331–3. MEDLINE CrossRef
2.
Lalwani AK, Cohen NL: Does meningitis after cochlear implantation remain a concern in 2011? Otol Neurotol 2011, 33: 93–5. MEDLINE CrossRef
3.
Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/Stand: August 2013. Epidemiologisches Bulletin 2013; 34: 313–44.
4.
Thomas JP, Berner R, Zahnert T, Dazert S: Acute otitis media: a structured approach. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 151–60. VOLLTEXT
1.Rubin LG: Prevention and treatment of meningitis and acute otitis media in children with cochlear implants. Otol Neurotol 2012, 31: 1331–3. MEDLINE CrossRef
2.Lalwani AK, Cohen NL: Does meningitis after cochlear implantation remain a concern in 2011? Otol Neurotol 2011, 33: 93–5. MEDLINE CrossRef
3.Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI): Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/Stand: August 2013. Epidemiologisches Bulletin 2013; 34: 313–44.
4.Thomas JP, Berner R, Zahnert T, Dazert S: Acute otitis media: a structured approach. Dtsch Arztebl Int 2014; 111: 151–60. VOLLTEXT

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